Von Karolin Aertel

Staßfurt. Auf einer Klassenfahrt erwischte sich der 16-jährige Staßfurter (Salzlandkreis) Benjamin Hilprecht dabei, wie er seinen Freunden, die nur wenige Meter entfernt im Nachbarzimmer saßen, SMS schickte. In Zeiten chronischen Geldmangels Jugendlicher wurde ihm die Sinnlosigkeit dessen schnell bewusst.

In dem jungen Mann wuchs sogleich die Idee, ein Handy-Programm zu entwickeln, das es ermöglicht, kostenlos mit Menschen in Kontakt zu treten. Funktionieren solle es, ähnlich den bekannten sozialen Netzwerken Facebook und StudiVz, malte er sich aus. Die Verbindung könne drahtlos, ohne Internet über Bluetooth hergestellt werden und der Vertrieb des Programmes solle über das World Wide Web erfolgen.

Benjamin studierte kurzerhand das Prinzip von Bluetooth, übersetzte seine Idee in die Programmiersprache und schrieb dazu ein 19-seitiges Konzept, das er bei "Jugend forscht" einreichte. Der Erfolg blieb nicht aus. Im Regionalausscheid belegte er den ersten Platz und zog in das Bundesfinale ein, das in der vergangenen Woche im Kieler Landtag stattfand.

Bevölkerungsschwund: Geografisches Syndrom

Der junge Staßfurter fuhr jedoch nicht allein in die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins. Auch seine Klassenkameraden Gregor Kneissl (16) und Maximilian Seidel (16) hatten sich für das Finale des Bundeswettbewerbes qualifiziert. Im Fachbereich Geo- und Raumplanung setzten sich die 16-jährigen Gymnasiasten mit dem Thema "Bevölkerungsschwund in Sachsen-Anhalt" auseinander. Ausgehend von einer stetigen Abwanderung ohne eine äquivalente Zuwanderung in Kombination mit einer geringen Geburtenrate haben die Schüler den Bevölkerungsschwund als geografisches Syndrom begriffen und in ihrem Konzept "Goodbye Saxony-Anhalt" analysiert. Ihr Fazit: Sachsen-Anhalt ist krank. Der Grund: Fortschrittsprozesse werden nicht nachhaltig fortgeführt. Abhilfe könne nur eine konsequente Umstrukturierung schaffen.

Auf 15 Seiten beschreiben Gregor und Maximilian, wie die Umstrukturierung aussehen müsse. Ihre Ideen beeindruckten nicht nur im Regionalausscheid. Auch im Bundesfinale bekamen die beiden viel positives Feedback.

"Wir mussten einen Präsentationsstand aufbauen, an dem wir unser Konzept der vierköpfigen Jury und auch den Besuchern erklärten", erzählt Maximilian. Dabei seien sie vor allem bei Gästen aus den alten Bundesländern auf großes Erstaunen gestoßen. "Viele erzählten, dass sie gar nicht wussten, dass Sachsen-Anhalt so sehr mit Abwanderung und Bevölkerungsschwund zu kämpfen hätte", berichtet Gregor. "Das hat uns schon sehr verwundert."

Sonderpreis für die "Funkschleuder"

Benjamin, Maximilian und Gregor waren drei von zehn Teilnehmern aus Sachsen-Anhalt. Insgesamt nahmen 195 junge Forscher mit 110 Projekten aus sieben Fachgebieten am Bundeswettbewerb teil. Ein Platz unter den besten fünf konnten die drei Staßfurter nicht ergattern. Dennoch sind sie nicht mit leeren Händen nach Hause gefahren. Benjamin Hilprecht gewann mit seinem Konzept der "Funkschleuder" einen mit 500 Euro dotierten Sonderpreis der Else und Wilhelm Heraeus Stiftung, Maximilian Seidel und Gregor Kneissl bekamen ein Jahres-Abo eines Wissenschaftsmagazines.

Letztlich seien sie doch vor allem reich an Erfahrung wiedergekommen, findet Benjamin. Schließlich haben sie unzählige interessante Projekte anderer Schüler kennengelernt. Zudem standen auch Freizeitaktivitäten wie ein Besuch im Kletterpark und im Kieler Institut für Meereswissenschaft "GeoMar" auf dem Plan. Nicht zuletzt haben sie den Bundespräsidenten Christian Wulff getroffen. "Auch wenn wir immer großen Abstand halten mussten, da er von Bodyguards umschlossen war." Ihn zu sehen, sei aber schon toll gewesen.