Magdeburg. Eine Ausnahmestellung im Land Sachsen-Anhalt nimmt das Domgymnasium in Magdeburg ein: Es ist die einzige ökumenische Schule in Sachsen-Anhalt. "Auch bundesweit gibt es kaum vergleichbare Einrichtungen", sagt Schulleiter Dietrich Lührs. So gibt es allein in Bremen ein weiteres konfessionsübergreifendes Gymnasium. Lührs: "Erfolgreich ist unser Angebot auf jeden Fall." Im Ökumenischen Domgymnasium Magdeburg (ÖDG) wird dieses Jahr seit 20 Jahren unterrichtet. Derzeit lernen hier 780 Schüler.

"Manchmal wird gesagt, unsere Schule sei eine Eliteschule ", sagt Lührs. Ein Klischee, das er nur unter einer Bedingung gelten lassen möchte: Wenn Elite bedeutet, einerseits als Gymnasium offen zu sein für jeden "gymnasialtauglichen Schüler und andererseits die anvertrauten Schüler zu fördern, aber auch zu fordern, sie bestmöglich zu erziehen und zu unterrichten, damit sie später im Beruf Erfolg haben und bereit und fähig sind, für die Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen".

Eine konstante Größe ist an einer ökumenischen Schule der christliche Glaube. "Der Religionsunterricht ist ein fester Bestandteil im Schulprogramm", so der Schuleiter. Dies allerdings ungebunden an eine christliche Konfessionen. "Und auch andere Religionen finden Raum im Religionsunterricht." In einer Umgebung, in der sich nur eine Minderheit zur Kirche bekennt, ist der Umgang mit Schülern, die keiner Glaubensgemeinschaft angehören, ein wichtiges Thema – gerade an einer ökumenischen Schule. "Uns ist wichtig, dass alle Schüler über den Glauben informiert werden. Mission heißt für uns, die Schüler mit der christlichen Religion so vertraut zu machen. Sie sollen aufgrund des Erfahrenen selber entscheiden, welchen Weg sie verantwortungsvoll gehen wollen."

Ökumene bedeutet im Domgymnasium auch Aktivitäten abseits des Unterrichts: Dietrich Lührs nennt Gottesdienste und das Engagement zum Ökumenischen Kirchentag in München im vergangenen Jahr: "Schüler, Lehrer und Eltern hatten die Idee entwickelt, unter dem Titel ,Ökumene rollt‘ eine Fahrrad-Pilger-Staffel in mehreren Etappen von Berlin nach München zu organisieren. Das war ein sehr großer Erfolg", berichtet er.

In den kommenden Jahren soll weiter am Schulprogramm gearbeitet werden. So soll es an der ökumenisch-gymnasialen Ganztagsschule mehr Blockunterricht geben, es soll freiwillige Angebote vor Schulbeginn geben, die außerschulischen Angebote sollen besser mit dem Unterricht verknüpft werden, Schüler sollen Lernpatenschaften eingehen, in den Mittagspausen soll es ab dem nächsten Schuljahr Essen in Buffetform sowie Ruhe- und Aktivangebote geben. Lührs: "Keine Schule ist perfekt, deshalb ist es immer wichtig, an weiteren Verbesserungen zu arbeiten."

Trotz aller Erfolge sind ökumenische Schulen wie das Domgymnasium die Ausnahme. Sie sind die Exoten in der Schullandschaft. "Das hat wohl nicht zuletzt organisatorische Gründe", vermutet Dietrich Lührs. Denn während es bei den vergleichsweise kleinen Grundschulen oft noch möglich sei, dass Vereine die Trägerschaft übernehmen, ist dies bei großen Schulen oft nur noch schwer zu händeln. "Oft treten dann Institutionen wie die Kirchen als Träger auf – und diese unterhalten natürlich konfessionelle anstelle konfessionsübergreifender Schulen", so der Schulleiter.

Neue Grundschule ab dem Jahr 2012?

Bei Grundschulen sei zudem gesetzlich festgeschrieben, dass diese in freier Trägerschaft ein besonderes pädagogisches Konzept verfolgen oder als konfessionelle Schulen auftreten müssen. Lührs: "Die Frage ist: Zählt die Ökumene als Bekenntnis?" Eine Frage von praktischer Bedeutung für das Kuratorium Ökumenisches Domgymnasium. Dieses will nämlich, wie Lührs auf Nachfrage der Volksstimme bestätigt, 2012 eine Grundschule eröffnen. Über den Magdeburger Standort werde noch verhandelt.

Mit Blick auf die Grundschule sagt der Leiter des Gymnasiums: "Diese sehe ich als unsere Form des längeren gemeinsamen Lernens." Unausgesprochenes Ziel dahinter ist also neben dem Gedanken der Ökuemene nicht zuletzt, dass viele der Grundschüler ans Domgymnasium wechseln mögen. Und hinter der Aussage des Schulleiters steht auch eine Kritik an den Plänen, die Trennung von Sekundarschülern und Gymnasiasten in Zukunft mit der Gemeinschaftsschule aufzuweichen.

20 Jahre Schulbetrieb am ÖDG bedeutet, dass gefeiert wird. Den Auftakt bildet die Mädchen-Mini-Fußball-WM. Unterstützt von der Barmer-GEK laufen am Sonnabend, 28. Mai, 16 Teams aus ÖDG-Schülerinnen ab 9 Uhr auf dem Freigelände der MDCC-Arena auf.

Für die Veranstaltung hat der Ehrenvizepräsident des DFB Hans-Georg Moldenhauer die Schirmherrschaft übernommen. Der Tag steht unter dem Titel "Hol dir den Kick woanders" und soll die jungen Fußballspielerinnen, die in jahrgangsübergreifenden Mannschaften antreten, und die Zuschauer des Tages dazu bewegen, sich sportlich zu betätigen und zeigen, dass man für den Kick keine Drogen wie Alkohol benötigt, so der Magdeburger Barmer-GEK-Regionalgeschäftsführer Holger Wolter. "Alle Sportinteressierten – nicht nur Mädchen – sind herzlich zu unserer Mini-WM auf dem Gelände der MDCC-Arena eingeladen!", wirbt Thorsten Petersen, Sportlehrer am ÖDG, für die Veranstaltung. "Verschiedene Aktionen wie ein Torhammer und ein Show-Truck warten auf die Besucher. Weiterhin kann an diesem Tag das Fußballabzeichen des DFB erworben werden, und mit dem Blick durch eine ,Rauschbrille‘ kann sich jeder ein Bild davon machen, wie benebelnd Alkohol wirkt." Neben Persönlichkeiten aus der Politik werden auch Spielerinnen der DFB-Auswahl und des Magdeburger FFC – mit diesen haben die ÖDG-Schülerinnen in den vergangenen Wochen für die Mini-WM trainiert – Schirmherr Moldenhauer und der mehrfache Olympiasieger im Rudern, André Willms, erwartet.

Vom 14. bis 20. September wird das Jubiläum festlich begangen: Dann stehen zwei Theaterstücke, ein Festakt, ein Schulfest, ein Ehemaligentreffen und ein ökumenischer Festgottesdienst auf dem Programm.

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