Das Elbe-Hochwasser in Sachsen-Anhalt steigt weiter. Für den Bereich Barby wurde gestern die Alarmstufe 4 ausgerufen, teilte der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft in Magdeburg mit. Damit gilt die höchste Warnstufe für das Einzugsgebiet der Elbe in Magdeburg, im Jerichower Land, im Salzlandkreis und im Landkreis Börde.

Magdeburg (dpa/mf/il/ok/wb). Auch in den kommenden Tagen werde die Hochwasserlage kritisch bleiben, sagte der Leiter des Landesbetriebs für Hochwasserschutz (LHW), Burkhard Henning. "Man kann eindeutig sagen, dass sich die Lage nicht entspannt", betonte er. In den nächsten Tagen müsse vor allem im Norden Sachsen-Anhalts mit Problemen gerechnet werden. Henning warnte eindringlich davor, Deiche zu betreten. "In der aktuellen Situation ist das strikt verboten, selbst wenn die Beschilderung etwas anderes aussagt."

In Magdeburg ist das Hochwasser gestern schneller gestiegen als vorhergesagt. Der Pegel stand am Nachmittag bei 6,15 Meter und soll heute auf 6,20 Meter steigen. Damit ist exakt die Höhe des Frühjahrshochwassers 2006 erreicht worden. Von den Einsatzkräften der Feuerwehr sind gestern 2000 Sandsäcke an kritischen Überflutungsstellen entlang der Elbe verbaut worden. Der Rest wurde zunächst eingelagert. Die Stadt hat außerdem die Zahl der Deichwachen von 54 auf 78 erhöht.

Im Landkreis Börde hat nach Ausrufen der Alarmstufe 4 der Krisenstab die Koordinierung der Schutzmaßnahmen übernommen. Wegen Drängwassers ist gestern die Kreisstraße zwischen Loitsche und Heinrichsberg gesperrt worden. Zudem haben die Gemeinde Elbe-Heide sowie die Stadt Wolmirstedt einige Straßen in ihrer Zuständigkeit gesperrt.

Am Pegel Tangermünde überschritt die Elbe gestern in den Morgenstunden die Marke von 6,60 Metern. In der Nacht zum Donnerstag wird mit dem Erreichen der Sieben-Meter-Marke gerechnet, bei der die Alarmstufe 4 ausgelöst wird. Der Stab für außerordentliche Ereignisse schätzte gestern Mittag ein: Die Lage ist ernst, aber beherrschbar. Zusätzliche Sicherungsmaßnahmen wie das Aufschütten von Erdwällen oder das Erhöhen von Polderdeichen laufen derzeit im Süden des Landkreises zwischen Elversdorf und Demker, wo die Tangerniederung geflutet wird, und nördlich von Wanzer, wo der Wrechow-Polder vor der Überflutung geschützt werden soll.

Experten des Landesbetriebes für Hochwasserschutz erwarten heute eine besondere Situation: Die Scheitel der Saale und der Elbe werden gegen Mittag zusammenfließen. Erwartet werden am Messpunkt Calbe 9,04 Meter (drei Zentimeter höher als gestern) und bei Barby an der Elbe 6,57 Meter (26 Zentimeter höher). "Die Situation ist angespannt, aber nicht dramatisch", so gestern auf Volksstimme-Anfrage Christian Jung, Flussbereichsleiter im Landesbetrieb. Dem Experten bereiten indes nicht die hohen Pegelstände oder die Sicherheit der Deiche Probleme, sondern das Drängwasser.

Weil eine Vielzahl von Straßen und Wegen überflutet ist, wurden in Calbes Ortsteil Gottesgnaden und in Schönebecks Stadtteil Grünewalde Stege aufgebaut. Dort beschweren sich die Anwohner, dass die Deutsche Post seit Tagen keine Briefe mehr zustellt, während sie die Volksstimme weiter erhalten. In Gottesgnaden pumpt das Technische Hilfswerk Wasser aus dem Ort zurück in die Saale.

Auch Sachsen-Anhalts Landesregierung beschäftigte sich gestern mit der Hochwasser-Situation. Umwelt-Staatssekretär Jürgen Stadelmann (CDU) sagte, Probleme würden vor allem noch nicht nach aktuellem Standard sanierte Deichabschnitte bereiten. Durch diese sickere Wasser ins Hinterland. Für eine Ausrufung des landesweiten Katastrophenfalles bestehe kein Anlass, allerdings wolle die Landesregierung die Koordination verstärken. Ministerpräsidet Wolfgang Böhmer (CDU) werde am Freitag Landräte und Hochwasserschutz-Fachleute zum Gespräch empfangen. Sachsen-Anhalt I

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