Havelberg/Klietz. In der Klietzer Kaserne "Im Walde" hatte sich gestern Nachmittag eine lange Schlange gebildet. Von jungen Männern, die sich zu ihrem sechsmonatigen Grundwehrdienst oder zu einer längeren Dienstzeit beim in Havelberg stationierten Panzerpionierbataillon 803 anmelden wollten. Der Einberufungstermin 3. Januar 2011 war für sie ein ganz besonderer. Denn letztmalig griff für die jungen Männer dabei die Wehrpflicht. Ab dem 1. Juli wird diese in Deutschland ausgesetzt, was bedeutet, dass dann niemand mehr gegen seinen Willen zur Bundeswehr einberufen werden kann.

Zu den letzten, die sich ihrer staatsbürgerlichen Pflicht stellten, gehörte auch der Magdeburger Tim Pahlke. "Sechs Monate bei der Bundeswehr sind bestimmt nicht verkehrt fürs Leben, sie werden meinen Horizont erweitern. Aber freiwillig, so wie es künftig sein wird, hätte ich mich nicht für den Dienst beim Bund gemeldet", macht der 20-Jährige deutlich. Dafür sei er zu sehr mit seinem Tischlerberuf verbunden. Von diesem musste er sich nun für sechs Monate verabschieden, "aber mein Chef hat mir versichert, dass ich im Juli in der Firma wieder willkommen bin", freut sich der sympathische junge Magdeburger bereits auf seinen Wiedereinstieg ins Berufsleben. Vom Dienst bei der Bundeswehr wisse er zwar noch nicht allzu viel, "aber die Vorgesetzten werden mir schon erklären, was ich hier zu machen habe. Ich möchte mich der neuen Herausforderung jedenfalls stellen, so gut ich kann", versichert Tim Pahlke.

Insgesamt wurden gestern in der Klietzer Kaserne, wo sich seit dem Sommer 2007 die 5. Kompanie (Ausbildungskompanie) des Panzerpionierbataillons 803 befindet, 79 neue Rekruten begrüßt. Den kürzesten Anreiseweg von allen hatte Maik Presuhn aus Wulkau. Allerdings erreichte ihn der Einberufungsbefehl erst recht kurzfristig: am 22. Dezember. "Doch ich war schon darauf vorbereitet, dass ich Anfang Januar zur Bundeswehr muss. Bei meinem letzten Termin im Kreiswehrersatzamt wurde mir das bereits angedeutet", erzählt der 18-Jährige. "Ich freue mich richtig auf den Wehrdienst, auch wenn ich weiß, dass die allgemeine Grundausbildung bestimmt kein Zuckerschlecken wird. Trotzdem habe ich Lust darauf, mal eine ganz neue Erfahrung zu machen und hätte mich deshalb auch freiwillig für den Dienst entschieden", sagt der Wulkauer. Wenn er Gefallen daran finde, dann schließe er auch eine Längerverpflichtung nicht aus.

Dem künftigen Freiwilligendienst gar nicht so skeptisch entgegen sieht André Duks, der Kompaniefeldwebel der 5. Kompanie. Allein die Tatsache, dass die Hälfte der gestern in Klietz Einberufenen sich für eine längere Dienstzeit entschieden hätte, spreche dafür, dass auch künftig genügend junge Männer für den Dienst bei der Bundeswehr bereit sein würden. In welcher Form ihre Einberufung erfolgt und wo sie ihre Grundausbildung erhalten, könne er allerdings nicht sagen. Dazu hätte es bisher noch keine eindeutigen Aussagen gegeben. Möglicherweise könnte der aktuelle 15. Durchgang einer allgemeinen Grundausbildung der Havelberger Panzerpioniere in Klietz auch der letzte sein und die 5. Kompanie ihren Status als Ausbildungskompanie verlieren.

Doch erst einmal ruft für die Ausbilder wieder die Arbeit. Zwei harte Wochen am Stück stehen ihnen und den 79 Rekruten bevor – der erste freie Tag nach der Einberufung wird für alle am Sonnabend, dem 15. Januar, sein. Heute erfolgt in der Havelberger Elb-Havel-Kaserne die Einkleidung und die ärztliche Begutachtung der Neuen. Am Mittwoch stehen unter anderem erste Marschierübungen auf dem Programm, der Feiertag am Donnerstag wird für Grundlagenunterricht und die erste theoretische Ausbildung in der Waffenkunde genutzt. Die Grundlagen der Schießlehre und die Schießordnung werden den Rekruten am Freitag vermittelt; am Sonnabend müssen sie sich dann dem sogenannten Basisfitnesstest (drei verschiedene Sportaufgaben) stellen. Am Sonntag gibt‘s dann wieder theoretischen Unterricht. Außerdem wählen die Rekruten an diesem Tag ihren Sprecher.

Ihr feierliches öffentliches Gelöbnis sprechen die jungen Männer übrigens am Mittwoch, dem 16. März, in Havelberg. Es könnte das (vorerst) letzte in der Domstadt sein.

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