Lange Wartezeiten bis zur Facharztbehandlung. Sachsen-Anhalter, vor allem auf dem Lande, kennen das. Krankenhäuser sind oft in der Nähe, doch deren Türen nicht für alle Patienten offen. Die Krankenhausgesellschaft fordert ein Umdenken.

Halle (dpa). Die Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt hat sich vor dem Hintergrund des Sparzwangs im Gesundheitswesen für eine stärkere ambulante Nutzung von Krankenhäusern ausgesprochen. "Sie sind heute deutlich mehr als reine stationäre Dienstleister", sagte der Geschäftsführer der Kranken- ausgesellschaft Sachsen-Anhalt, Gösta Heelemann, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. So gebe es zwar schon ambulante Operationen, aber noch genügend Reserven, vor allem bei der ambulanten fachärztlichen Behandlung von Patienten. Die Gesellschaft vertritt die Interessen von rund 50 Krankenhäusern, die knapp 60 Standorte und 25 500 Beschäftigte haben. Dort werden den Angaben zufolge etwa 580 000 Menschen im Jahr stationär behandelt.

Jede Fachrichtung sollte eine Ambulanz haben

"Vielfach ist es aber so, erst wenn nichts mehr geht, kommt der Patient ins Krankenhaus", sagte Heelemann. Es sei vor dem Hintergrund der Knappheit von Fachärzten mit eigener Praxis aber sinnvoller, die stationäre und ambulante Behandlung von Patienten in Krankenhäusern noch stärker als bisher zu kombinieren. "Jede Facharztrichtung in einem Krankenhaus sollte eine Ambulanz haben", sagte er. Es könne nicht sein, dass ein Patient zum Beispiel auf dem Lande zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt kilometerweit fahren muss obwohl das Krankenhaus in der Nähe seines Wohnortes über eine derartige Abteilung verfügt.

"Die Bevölkerung wird immer älter und braucht daher automatisch immer mehr auch eine spezialisierte ärztliche Betreuung, etwa für Herz-Kreislauf-Erkrankungen", sagte er. In einem Krankenhaus gebe es dafür nicht nur die Mediziner sondern auch medizinisches Gerät und Rehabilitationsmöglichkeiten mit qualifiziertem Personal, das alles künftig wesentlich effizienter genutzt werden sollte, sagte Heelemann. "Damit spart man auch Kosten." Nach Angaben der Gesellschaft sind seit 1990 in die Krankenhäuser Sachsen-Anhalts allein rund 2,5 Milliarden Euro vom Bund investiert worden. Zudem hätten private Träger, wie etwa bei der Übernahme von Klinikstandorten im Landkreis Mansfeld-Südharz, viel Geld in die weitere Modernisierung oder auch in den Neubau von Einrichtungen investiert.

Standorte müssen erhalten bleiben

Heelemann sprach sich mit Blick auf Privatisierungsvorhaben wie der Salzlandkliniken zugleich mit Nachdruck für den Erhalt der Standorte aus. Die Gesellschaft sei nicht grundsätzlich gegen den Verkauf von Kliniken an private Eigentümer. Wichtig sei aber der Erhalt der bisher "gesunden Mischung" aus öffentlichen, freigemeinnützigen – das sind zum Beispiel kirchliche – und privaten Trägern von Krankenhäusern, um die medizinische Versorgung aller Patienten entsprechend dem Sozialgesetzbuch zu gewährleisten. "Bei allem Kostendruck muss immer noch die Humanität im Vordergrund stehen", sagte Heelemann.