Das Hochwasser der Elbe hat Sachsen-Anhalt in voller Länge erreicht. An allen Pegeln gelten die beiden höchsten Alarmstufen 3 und 4. In Tangermünde (Land- kreis Stendal) wurde erstmals in diesem Jahr die Alarmstufe 4 ausgerufen. Dort überschritt der Pegel gestern Nachmittag die Sieben-Meter-Marke.

Magdeburg (dpa/ge/mf/ag/sta/ok). Wie der Landesbetrieb für Hochwasserschutz in Magdeburg mitteilte, ist der Hochwasserscheitel der Elbe sehr langgezogen und befindet sich derzeit zwischen Wittenberg und Dessau. Von morgen an würden die Pegelstände der Elbe langsam aber ständig sinken. Die Meteorologen erwarten niedrigere Temperaturen und kaum Niederschläge.

Der Stendaler Landrat Jörg Hellmuth sagte: "Die Lage ist ernst, aber beherrschbar." Seine Hoffnung ist begründet. Im Süden des Landkreises wurden in den Tagen zuvor sowohl bei Elversdorf und in Demker, die in der Tangerniederung vom Elbewasser umflutet werden, als auch im Wildpark Weißewarte Erdwälle angelegt und Sandsackbarrieren errichtet. Sie sind bis zu 40 Zentimeter höher als der erwartete Hochwasserscheitel. Dieser soll den Landkreis heute mit 7,15 Metern erreichen. Kritischer wird die Situation im Norden des Landkreises eingeschätzt. Im Aland, einem Zufluss der Elbe, stand das Wasser gestern bereits um 50 Zentimeter höher als beim Hochwasser 2006.

Am Pegel Magdeburg ist gestern Nachmittag ein Wert von 6,27 Meter erreicht worden. Damit wird dies das höchste Hochwasser nach der Jahrhundertflut im August 2002, erklärte gestern ein Hydrologe des Landesbetriebes für Hochwasserschutz. Der Scheitel wird heute mit 6,30 Meter erwartet. Die Deiche seien zurzeit noch in einem einwandfreien Zustand, zunehmend Sorge bereitet allerdings der "Hochwasser-Tourismus". Der Stadtordnungsdienst habe schon 23 Platzverweise ausgesprochen. Es wurden bereits Ordnungsgelder angedroht. Die 78 Deichwachen bleiben weiter rund um die Uhr im Einsatz.

Im Jerichower Land sei "an drei Stellen Sickerwasser durch die Deiche gedrungen", teilte der Mitarbeiter des Landesbetriebes Reinhard Kürschner mit. Außer in Burg gilt überall Alarmstufe 4. Im Bereich der Deichlücke bei Jerichow wurde gestern zunächst ein flacher Erdwall aufgeschüttet, um die dahinterliegenden Grundstücke zu schützen. Die Jerichower kämpfen seit Jahren um einen vernünftigen Hochwasserschutz für diesen Bereich, denn 2002 gab es hier erhebliche Probleme.

Durch die Städte Barby und Schönebeck ist gestern der Scheitel der Elbe geflossen. Gemessen wurden 6,53 Meter. In Schönebeck kam es am Mittag zu erheblichen Geruchsbelästigungen. Diese gehen vermutlich darauf zurück, dass Grundwasser in die Schmutzwasserkanalisation geleitet wurde.

Die Situation an der Saale bei Calbe ist weiter angespannt, wenngleich der Pegel um drei Zentimeter auf 8,99 Meter zurückgegangen ist. Im dortigen Bereich drosselt die Deutsche Bahn die Geschwindigkeit ihrer Züge auf Dämmen. Alle Züge dürfen nur noch 50 Stundenkilometer fahren.

Wie in den vergangenen Tagen ist das Drängwasser im Hinterland das größte Problem.

Entspannt hat sich die Lage an der Saale. In Halle sank der Pegelstand gestern auf 6,41 Meter. Fallende Pegelstände meldete der Landesbetrieb für Unstrut, Weiße Elster und die untere Bode.