Obwohl die Wasserstände der Flüsse in Sachsen-Anhalt allmählich sinken oder stagnieren, bleibt die Lage angespannt. Auch gestern waren hunderte Feuerwehrleute und freiwillige Helfer im Einsatz, um Deiche zu kon-trollieren und Keller auszupumpen. Innenminister Holger Hövelmann (SPD) würdigte bei einem Besuch des Saale-Hochwassergebietes in Calbe (Salzlandkreis) den Einsatz der freiwilligen Feuerwehren.

Magdeburg (dpa/dw/ge/mf). "Die Feuerwehren sind das ehrenamtliche Rückgrat für den Hochwasserschutz in Sachsen-Anhalt", sagte der Minister. Derzeit seien mehr als 600 Feuerwehrleute in den Flussgebieten des Landes im Einsatz. "Nicht nur die Familienangehörigen, auch die Arbeitgeber der Kameradinnen und Kameraden tragen ihren Teil dazu bei, dass Deiche gesichert und Wohngebiete geschützt werden können", betonte Hövelmann.

In Calbe traf der Minister Feuerwehrleute der Saalestadt am Pappeldamm bei Tippelskirchen. "Ein neuralgischer Punkt in einer Hochwasserlage", sagte Calbes Ortswehrleiter Uwe Wirth. Er berichtete, dass Calbenser und weitere Feuerwehrleute aus der Region von Sonntag bis Montag rund 12 000 Sandsäcke verbaut hätten. Wirth verwies auf die Unterstützung durch das Technische Hilfswerk (THW).

Hövelmann stellte fest: "Der Hochwasserschutz funktioniert nur durch das enge und gut koordinierte Zusammenwirken vieler Verantwortlicher." So seien neben den Feuerwehren auch das THW, die Wasserwehren, das Deutsche Rote Kreuz, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft, die Bundeswehr, die Polizei, kommunale Beschäftigte und viele freiwillige Helfer im Einsatz.

In Tangermünde war gestern der vorhergesagte Höchststand von 7,15 Meter schon um 11 Uhr um fünf Zentimeter überschritten. Der Stendaler Landrat Jörg Hellmuth sprach von einer "leicht verschärften Situation", die man aber für beherrschbar halte. Seine Hoffnung, der Fluss würde nur noch um wenige Zentimeter steigen, begründete der Landrat mit dem zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehreren Stunden stagnierenden Hochwasserscheitel bei Niegripp. Für die nächsten Tage rechnen die Stendaler Hochwasserschützer mit vermehrt auftretenden Sickerstellen an den Deichen, und sie bereiten sich darauf vor. 440 freiwillige Helfer sind im Einsatz, darunter Mitglieder von 22 Feuerwehren. Weitere Feuerwehrleute aus nicht vom Hochwasser betroffenen Orten sind informiert, um bei Notwendigkeit auch am Wochenende Sandsäcke zu füllen, die an neuralgischen Deichabschnitten verbaut werden können.

Am Aland, der nicht mehr in die Elbe abfließen kann, werden seit gestern zwei Polder geflutet. Die Experten hoffen, dadurch das weitere Ansteigen des Alands für vier bis fünf Tage verhindern zu können.

In Magdeburg ist seit gestern mit dem Passieren des Scheitels von 6,28 Meter am Pegel Strombrücke zumindest die Gefahr von weiteren Überflutungen gebannt. Allerdings entwickelt sich das Drängwasser zu einem immer größeren Problem. So musste im Stadtteil Berliner Chaussee aus den tiefer gelegenen östlichen Stadtteilen zwischen Elbe und Umflutkanal Drängwasser zurückgepumpt werden. Durch das Einleiten von Drängwasser aus Kellern und Privatgrundstücken in die Kanalisation hat sich das Abwasseraufkommen in Magdeburg von täglich 40 000 auf 120 000 Kubikmeter verdreifacht. "Die Lage ist aber noch beherrschbar", sagte SWM-Sprecherin Cornelia Kolberg. Auch gestern waren 78 Deichwachen rund um die Uhr im Einsatz. Schadstellen wurden nicht entdeckt.

Der Landesbetrieb geht davon aus, dass sich die Lage in den kommenden Tagen deutlich entspannen wird und die Alarmstufen herabgesetzt werden können. Für die Helfer bedeutet das aber nicht das Einsatzende, denn Dräng- und Oberflächenwasser bleiben weitere Herausforderungen.