Braunschweig/Magdeburg. Piloten von Kampfflugzeugen und die Soldaten der Zukunft haben ihn an ihren Helmen: einen kleinen Sucher, in den wichtige Informationen eingeblendet werden. Geht es nach Rüdiger Mecke und seinen Kollegen vom Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung in Magdeburg, sollen bald auch Arbeiter in der Industrie ein solch futuristisch anmutendes Gerät an ihren Helmen tragen. Arbeitsanweisungen, die bisher auf einem Zettel zu finden waren, sollten dann direkt vor dem Auge des Mitarbeiters eingeblendet werden, erklärte Forscher und Projektkoordinator Mecke. Fazit: "Der Werker ist schneller und macht weniger Fehler." Eingesetzt werden könne ein solches System zum Beispiel auch bei Reparaturen in Autowerkstätten. Bei ihren Forschungen kooperieren die Magdeburger Experten mit Volkswagen, den Arbeitsmedizinern der Universität Magdeburg und der Wahrnehmungspsychologie der Universität Ulm.

Diese und andere Forschungsergebnisse rund um die virtuelle und erweiterte Realität wurden jüngst während der Abschlussveranstaltung der "Innovationsallianz Virtuelle Techniken" im Marketing Management Institut in Braunschweig vorgestellt. In Vorträgen und an insgesamt 24 Ständen präsentierten Teilnehmer an den Projekten "Avilus" und "Avilus Plus" die Ergebnisse am Ende der dreijährigen Projektlaufzeit. An vier Ständen zeigten Experten des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und- automatisierung ihre Forschungsarbeiten, darunter den Helmsucher.

Gefördert wurden die beiden 2008 ins Leben gerufenen Projekte vom Bundesforschungsministerium mit rund 31 Millionen Euro, sagte Bernhard Rami, Ministerialrat und Leiter der Unterabteilung Schlüsseltechnologien für Wachstum. 21 Millionen Euro seien von der Industrie und den anderen Projektteilnehmern hinzugekommen.

Initiiert worden sei das gesamte Forschungsvorhaben von Volkswagen, so Werner Schreiber, Mitarbeiter der Konzernforschung und Leiter der virtuellen Techniken beim Wolfsburger Automobilhersteller. "Ziel ist es, nicht nur zu forschen", setzte er nach, "sondern um der Industrie Hilfsmittel an die Hand zu geben, um Arbeitsplätze zu sichern." Beteiligt an dem Forschungskonsortium seien neben Wissenschaft und Industrie aus dem gesamten Bundesgebiet auch kleine und mittlere Unternehmen.

Die heimische Industrie sei unter anderem in den Bereichen Automobil-, Schiffbau und Luftfahrt einem enormen Wettbewerbsdruck ausgesetzt. "Vor allem von asiastischen Wettbewerbern", attestierte Schreiber. Mit den Forschungsergebnissen könnten Werkzeuge entwickelt werden, die helfen, Produkte schneller und kundenorientierten zu entwickeln.

In den drei Jahren, die die beiden Projekte gelaufen seien, seien sehr gute Ergebnisse erzielt worden, lobte Schreiber seine engagierten Forscherkollegen. Damit würden in Zukunft Verschwendung, Fehler und Mitarbeiter-Überbelastung reduziert. Mit dieser Forschung "spielen wir in der "Champions League" – und das weltweit. Rami: "Wir haben eine Spitzenstellung erobert."

Ebenfalls zu diesem Spitzenbereich zählen die drei weiteren Projekte, die während der Abschlussveranstaltung vom Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung gezeigt wurden. So präsentierten die Magdeburger Forscher eine Art "künstliche Haut" mit Tastsensoren. Diese könne unter anderem genutzt werden, um Roboter zu steuern. Markus Fritzsche erklärte: "Beim Zusammendrücken verändert sich die Leitfähigkeit." Die werde ausgewertet und zur Roboter-Steuerung genutzt. "Die Haut ist nicht nur für Roboter interessant", setzte der wissenschaftliche Mitarbeiter nach und brachte eine mögliche Anwendung als Sicherheits-Fußboden in Altenpflegeheimen ins Spiel. Fritzsche: "Damit kann eine Sturzerkennung realisiert werden."

Die beiden weiteren Stände des Magdeburger Instituts beherbergten ein optisches Mess-System, das einen Abgleich zwischen realem Werkstück und Vorgaben ermöglichen und ein System zur Montage-Assistenz. Letzteres zeigt dem Arbeiter auf einem Bildschirm die von ihm zusammengesetzten Teile und überlagert das Bild mit virtuellen Informationen unter anderem zum nächsten Arbeitsschritt oder einem möglichen Montagefehler.

Weitere Informationen zur Innovationsallianz und den Projekten gibt es im Internet unter:

www.ia-vt.de