Von Wolfgang Biermann

Stendal. Das Landgericht Stendal hat nach vier Prozesstagen gestern einen 46-jährigen Patienten des Maßregelvollzugs Uchtspringe (Landkreis Stendal) zu zwei Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe wegen des Besitzes und der Verbreitung kinderpornografischer Schriften verurteilt.

Der fünffach wegen Kindesmissbrauchs und Vergewaltigung vorbestrafte pädophile Täter hatte den Einschleuseversuch einer DVD mit kinderpornografischen Filmsequenzen über einen Mitinsassen in die geschlossene Abteilung des psychiatrischen Landeskrankenhauses am 12. November 2008 gestanden. Für das Weitergeben der DVD will der gelernte Agrotechniker 20 Euro erhalten haben.

"Schon der Besitz von Kinderpornografie ist keine Bagatelle. Jedes pornografische Bild ist eine zerstörte Biografie, ist ein Kind mit schwersten seelischen Schäden", sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Galler im Urteil. Er sprach von "hoher krimineller Energie", in einen "besonders geschützten und sensiblen Bereich" Kinderpornografie einzubringen. Dort, wo psychisch kranke, straffällig gewordene Patienten zur Therapie untergebracht sind.

Der Angeklagte habe es aus gewerbsmäßigem Interesse getan, weil er sich "ein Zubrot verdienen" wollte.

In einem Vorgängerprozess hatte der 46-Jährige 2009 als Kronzeuge einen ehemaligen Mitinsassen beschuldigt, Auftraggeber des Schmuggelversuchs gewesen zu sein. Deshalb musste er sich jetzt auch noch wegen uneidlicher Falschaussage verantworten.

Der beschuldigte Mitinsasse ist im Juni 2009 vom Landgericht Stendal lediglich wegen des Besitzes von kinderpornografischen Fotos und Dateien auf seinem Computer zu sechs Monaten Haft, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt worden.

Dass der Angeklagte "trotz Falschaussage zum Aufdecken eines Kinderpornoringes beigetragen" hat, hielt ihm das Gericht strafmildernd zugute. Bei einer Tiefenkontrolle im Maßregelvollzug wurden nach Auskunft von Staatsanwalt Bernd Blasczyk im November 2008 Hunderte von Datenträgern kinderpornografischen Inhalts gefunden. Er vermutete in seinem Plädoyer, "dass da bandenmäßig was abging".

Mindestens sechs Prozesse seien in diesem Zusammenhang noch zu erwarten.