Die Spätfolgen des Sozialismus wogen schwer, viel schwerer, als viele im Vorhinein vermuteten. Denn das technische Marktwissen war zerstört und nicht einfach durch den Systemwechsel wieder aufzubauen, bis heute. Und die Globalisierung hat die Einstiegchancen vielleicht verbessert, aber die Brutstätten des Wissens eher konserviert als verlagert.

Stellt man all dies in Rechnung, dann ist ein Ost-West-Rückstand der Arbeitsproduktivität von – je nach Messung – 20 bis 30 Prozent des Westniveaus nach zwei Dekaden deutscher Einheit kein schlechtes Ergebnis. Und dies vor allem auch mit dem vergleichenden Blick nach Mitteleuropa, wo der Rückstand aus ebenfalls nachvollziehbaren Gründen noch in einer viel größeren Dimension liegt. Der Aufbau Ost ist deshalb im Kern eine große historische Leistung.

Natürlich ist es völlig legitim, von einer besseren und schöneren Welt zu träumen – mit einem Osten Deutschlands, dessen Wirtschaft den Gipfel der Innovationskraft und Prosperität erstürmt hat und Menschen aus nah und fern wie ein Magnet anzieht. Aber es bleibt eben ein Traum. Denn nach 40 Jahren Abschottung vom Weltmarkt war es extrem schwierig, auf den fahrenden Schnellzug der Globalisierung überhaupt aufzuspringen. Dabei einen Spitzenplatz zu ergattern, das war unmöglich. Was erreicht wurde, ist eine Position im Mittelfeld – ein Stück hinter dem wohlhabenden Westen, aber ein gewaltiges Stück vor den Schicksalsgefährten in Mitteleuropa aus sozialistischer Zeit.