Am 9. November jährt sich der Tag des Mauerfalls zum 20. Mal. Um diesen Tag, die vielen Emotionen und Schicksale des für Deutschland prägenden Ereignisses noch einmal lebendig zu machen, wurde gestern eine Wanderausstellung in der Hansestadt eröffnet. Anwesend war auch der Landesbeauftragte für Stasiunterlagen, Gerhard Ruden.

Gardelegen. Bilder von jubelnden Menschen, entschlossenen Demonstranten und einstigen Regierungschefs zieren die 20 Tafeln, die seit gestern im Foyer des Verwaltungsgebäudes II zu sehen sind. Bei der Wanderausstellung " 20 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit " erinnern die meist in schwarz-weiß gehaltenen Aufnahmen und die dazugehörigen Texte an den Herbst 1989. Von der Fluchtbewegung über die Massenproteste bis zum 3. Oktober 1990 wird keines der teils dramatischen Ereignisse ausgelassen. " Gestaltet wurden die Tafeln von der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. " Wir sehen die Ausstellung als Anlaufpunkt, weil die Leute nach wie vor an dem Thema sehr interessiert sind. Dabei sollen Gefühle angesprochen werden, die fast schon vergessen sind ", eröffnete Gerhard Ruden gestern die Ausstellung. Laut dem Landesbeauftragten für Stasiunterlagen könne die Zeit von damals nicht hoch genug eingeschätzt werden. " Die Bürger damals hatten den Mut, den man heute meist vermisst. Mit einer Meinungsbekundung wurde die SED gezwungen abzutreten. "

Die Ausstellung, die kostenlos für jeden Interessierten bis zum Montag, 12. Oktober, zu sehen ist, wird auch dazu genutzt, auf den Bürgerberatungstag des Landesbeauftragten für Stasiunterlagen in Gardelegen hinzuweisen. Er sei vom Landtag gewählt worden, " die Opfer der Diktatur zu beraten ", so Ruden. Der Magdeburger stellt sich mit zwei Mitarbeitern sowie einem Vertreter der Birthler-Behörde und einem Caritas-Mitarbeiter zur psychologischen Betreuung am Montag, 12. Oktober, für Fragen und Auskünfte zur Verfügung. " Viele können mit dem, was sie in ihrer Stasi-Akte lesen, nicht viel anfangen oder möchten eine Beratung, wie sie mit all den Informationen umgehen sollen ", erklärte Ruden. In der Zeit von 9 bis 17 Uhr können zudem an diesem Tag Informationen zu den drei SED-Unrechtsbereinigungsgesetzen eingeholt werden.

" Im ersten Jahr nach Einführung des Beratungstages in Sachsen-Anhalt vor zwei Jahren haben etwa 4000 Bürger von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, mit uns zu sprechen. Im vergangenen Jahr waren es 2000. In diesem Jahr rechnen wir mit etwa 1500 Teilnehmern ", informierte Ruden die Besucher während der gestrigen Ausstellungseröffnung. Für " 20 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit " wünscht sich der Landesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, dass auch die Schulen den Weg in das Verwaltungsgebäude II zur Ausstellung fi nden werden : " Immer, wenn es um Demokratie geht, ist festzustellen, dass es erhebliche Defizite gibt. Gerade bei den jüngeren Generationen gibt es da große weiße Flecken im Wissen. " Ruden bot an, bei Interesse die Führung der Klassen durch die Ausstellung zu übernehmen.