Nachterstedt ( dpa ). Die Braunkohle hat Nachterstedt eine bewegte Geschichte beschert. Vor rund 80 Jahren musste der ursprüngliche Ort den Baggern weichen : Wo der alte Ortskern einmal war, zeigt heute nur noch eine rote Boje auf dem Concordia-See, der seit Mitte der 1990 er Jahre durch das Fluten eines Tagebau-Lochs entstanden ist.

Das etwa 1400 Einwohner zählende Nachterstedt ist heute Ortsteil der Stadt Seeland. Zu DDR-Zeiten bot die Braunkohle in Nachterstedt mehreren tausend Menschen einen Arbeitsplatz. Der Abbau hatte zunächst unter Tage begonnen und wurde ab 1856 über Tage fortgesetzt. Die Kohle brachte zwar einen Aufschwung für das Dorf, die Bewohner von Alt-Nachterstedt mussten ihre Häuser aber Ende der 1920 er Jahre verlassen, damit weiter nach Kohle gegraben werden konnte. Nachterstedt entstand an heutiger Stelle neu. 1991 wurde der Abbau eingestellt.

Das Tagebau-Loch wird seitdem geflutet. Es entstand der Concordia-See – benannt nach der Bergbaufirma Concordia –, der sich zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt hat. Seit vier Jahren verkehrt ein Fahrgastschiff im Sommer auf dem See. Außerdem nutzen Schwimmer, Taucher und Wassersportler das Gewässer.

Wegen des Erdrutsches ist momentan jeglicher Wassersport untersagt. Bisher sind erst 40 Prozent der geplanten Wassermenge in den See gelaufen ; die Flutung soll nach Planung der Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft bis zum Jahr 2027 abgeschlossen sein. Um weitere 20 Meter soll der Wasserspiegel dann angestiegen sein.