Wer immer heute zum nächsten Präsidenten der USA gewählt wird – es wird ein Epochenwechsel. Gewinnt der Republikaner John McCain, werden die USA den ältesten Präsidenten ihrer 232-jährigen Geschichte und zum ersten Mal eine Frau im Amt des Vize haben. Gewinnt der Demokrat Barack Obama, steht erstmals ein Schwarzer an der Spitze von Staat, Regierung und Streitkräften. Bislang waren die 43 Hausherrn im Weißen Haus so gut wie alle Englischstämmig, weiß, protestantisch und männlich.

Erst einer war kein Protestant: John F. Kennedy (1961 bis 1963) war Katholik und musste im Wahlkampf oft erklären, dass er keine "Befehle aus Rom" entgegennehmen werde. Ansonsten gehörte Kennedy zu den amerikanischen Dynastien wie den Adams, den Bushs, den Roosevelts oder auch den Harrisons, die allein neun Präsidenten hervorbrachten. Kennedy war Pragmatiker: Bevor er das noch heute geltende Embargo gegen Kuba verhängte, bestellte er sich noch eine Kiste Havannas.

Der jüngste Präsident war "JFK" nicht. Das gebührt Theodore Roosevelt (1901 bis 1909), der mit 42, ein Jahr jünger als Kennedy, Präsident wurde. "Teddy" zeigte sich gern als Cowboy oder harter "Westerner", konnte aber auch Goethe und Voltaire im Original zitieren. Er vertrat eine imperialistische Politik gegenüber Lateinamerika, bekam für die Vermittlung im russisch-japanischen Krieg aber auch den Friedensnobelpreis. Und er machte als erster Präsident eine Auslandsreise – in die Panamakanal-Zone, in der drei Jahrzehnte später John McCain geboren wurde.

Der älteste Präsident war bislang Ronald Reagan (1981 bis 1989), der kurz vor seinem 70. Geburtstag vereidigt wurde. Zuvor hielt William Harrison (1841) diesen Rekord. Ein Urgroßvater von ihm hatte das Todesurteil gegen den englischen König Jakob I. unterzeichnet, der Vater die Unabhängigkeitserklärung und der Enkel Benjamin wurde später auch Präsident (1889). Trotz seiner 67 Jahre wollte Harrison beweisen, dass er gesund und kräftig sei. So hielt er seine Amtseinführungsrede bei eisigem Wetter ohne Hut und Mantel. Noch am Abend war er krank, einen Monat später tot, ohne je wirklich regiert zu haben.

Zachary Taylor (1849 bis 1850) machte es umgekehrt: Der Ex-General nahm als Präsident trotz sengender Sonne die Parade zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli 1850 ab. Danach trank er viel Eiswasser – und starb an Durchfall und Fieber. Lange nach Harrisons Tod entstand die Legende vom "Fluch des Tecumseh". Harrison hatte als General 1813 in der Schlacht am Thames River den Indianerkrieger besiegt. Fortan, so die Legende, sollte jeder in einem Jahr mit einer Null am Ende gewählte Präsident im Amt sterben.

Eineinhalb Jahrhunderte lang geschah das auch: Harrison (1840) starb zur Amtseinführung, Abraham Lincoln (1860) wurde ermordet, ebenso James Garfield (1880) und William McKinley (1900). Warren Harding (1920) starb im Amt eines natürlichen Todes, auch Franklin Roosevelt (1940), während Kennedy (1960) einem Attentat zum Opfer fiel. Erst 1980 wurde der "Fluch" gebrochen: Ronald Reagan wurde bei einem Attentat schwer verletzt, überlebte aber.

Eineinhalb Jahrhunderte zuvor hatte das Schicksal beim Tode zweier Ex-Präsidenten Geschichte geschrieben. John Adams (1797 bis 1801), der zweite US-Präsident, und Thomas Jefferson (1801 bis 1809), der dritte, hatten 1776 gemeinsam an der Unabhängigkeitserklärung gearbeitet. Aus beiden wurden politische Feinde, später entstand aber eine respektvolle Brieffreundschaft. "Nun hat mich Jefferson doch überlebt", waren die letzten Worte Adams, doch sein Kontrahent war wenige Stunden zuvor selbst verschieden. Beide starben am 4. Juli 1826 – auf den Tag genau ein halbes Jahrhundert, nachdem sie die von ihnen entworfene Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet hatten. (dpa)

www.volksstimme.de/uswahl