Geschichte der Persil-Produktion in Genthin

Am 4. August 1921 erfolgte die Grundsteinlegung für das Henkelwerk. Besonders dafür eingesetzt hatte sich der damalige Genthiner Bürgermeister Struß.

Bereits am 1. März 1923 wurde die Produktion aufgenommen. Hergestellt wurde nach den Rezepturen des Düsseldorfer Stammwerkes. Darunter auch das 1907 entwickelte "Persil" - die Stammmarke des Hauses Henkel.

Benannt wurde das Waschmittel nach seinen ursprünglichen Hauptbestandteilen Perborat (Natriumperborat als Bleichmittel) und Silikat (Natriumsilikatals Schmutzlöser).

Während der DDR-Zeit wurde in Genthin Persil hergestellt. In den 1950er Jahren firmierte das Unternehmen zunächst als VEB Persil-Werk, später als VEB Waschmittelwerk Genthin.

Mit der Einführung von Milwa Ende der 50er Jahre (hergestellt in Prettin) verlor die Marke "Persil" in der DDR sehr an Bedeutung.

Nach Einführung der neuen Genthiner Marke Spee im Jahre 1968 wurde dieses schnell zum meistverkauften Waschmittel der DDR. Die Produktion von "Persil" wurde bis 1973 fortgeführt.

Bis 1986 gab es allerdings noch eine Extralinie Persil für den Intershop.

Nach 1990 wurde der Betrieb umfassend modernisiert. Konrad Henkels Entscheidung war es in dieser Zeit gewesen, den Firmenstandort Genthin wiederzubeleben.

Von 1992 an wurde Persil wieder regulär in Genthin hergestellt. 1993 war Start für die neue Pulverwaschmittelproduktion. Persil kam mit verbesserter Rezeptur auf den Markt. Mit der neuen Flüssigfabrik wurde unter anderem Persil flüssig in Genthin hergestellt. Die Produktion endete als Henkel 2009 den Standort Genthin aufgab.

Jerichower Land l "Kennt ihr ein Waschmittel?", fragt Elke Loth die Kinder des Hortes Stadtmitte. "Persil", schallt es ihr aus einem Dutzend Kinderkehlen zurück. Noch heute ist die Übermarke des Düsseldorfer Henkel-Konzerns bei Jung und Alt bekannt. Was die Neun- und Zehnjährigen heute nicht mehr vor Augen haben, ist die Tatsache, dass Persil einst das berühmteste Aushängeschild ihrer Heimatstadt Genthin gewesen ist.

Elke Loth hält als eine der Mitarbeiterinnen im Waschmuseum die Erinnerung an diese Zeit wach. "Das Ausprobieren der alten Methoden kommt bei Kindern und auch bei den erwachsenen Besuchern immer sehr gut an", erklärt sie.

Es ist ein Blick in eine bewegte wirtschaftliche Vergangenheit der Kanalstadt. 88 Jahre Waschmittelgeschichte sind im Genthiner Henkelmuseum zusammengetragen worden. Für die Älteren ist es eine Erinnerung an ihre Jugend. Für Kinder ist es hingegen heute unglaublich, dass früher die Wäsche nicht einfach für eine Stunde in der Maschine verschwand, um dann wohlduftend und sauber wieder herauszukommen. "Man hat einen ganzen Tag mit Wäschewaschen verbracht", erklärt Loth, während die Kinder die alten Utensilien bestaunen.

"Ein Waschbrett kenne ich nur aus Filmen", bekennt die neunjährige Antonia. "Also, ich würde Wäsche so nicht waschen wollen", pflichtet ihr der achtjährige Till bei. Im Waschmuseum wird neben der Geschichte der Waschmittelherstellung auch die des Wäschewaschens wieder lebendig. "Deshalb ist es wichtige, dass wir das Museum erhalten, es ist ein Kleinod des Jerichower Landes", sagt Peter Meißner von der Standortbetreuungsgesellschaft, die das Museum betreibt.

Derzeit laufen Anfragen nicht nur bei der Firma Henkel, sondern auch beim Landkreis Jerichower Land, mit denen um eine wirtschaftliche Förderung geworben wird. "Die Gesprächsbereitschaft ist da", kann Meißner vermelden. In den vergangenen Jahren sei viel in die Räume investiert worden. Kürzlich sei in die Beleuchtungsanlage der Vitrinen investiert worden. "Gerade im Winter können die Exponate viel besser präsentiert werden", erläutert Meißner. Geplant sei zudem Schautafeln zu installieren, um das, was beim Waschen passiert besonders an Schülergruppen vermitteln zu können.

Am 11. Mai können sich Besucher beim Tag der offenen Tür von der Qualität des Waschmuseums überzeugen. Ab 10 Uhr werden Aktionen und ein buntes Unterhaltungsprogramm rund um das Waschen angeboten. Bei den Führungen im Henkel-Museum erleben die Besucher eine Zeitreise der Waschmittelproduktion seit der Gründung des Henkelwerkes im Jahr 1921 in Genthin. "Wir möchten damit einen größeren Besucherkreis ansprechen", betont Meißner. Der Erfolg gibt den Betreibern Recht. Beim ersten Tag der offenen Tür im Jahr 2012 konnte das Museum mehr als 400 Besucher zählen.

Das Waschmuseum ist unter der Telefonnummer 03933/8240419 zu erreichen.

Bilder