Genthin l "KN 52416" steht auf dem Segelboot "La gioia", das Hafenmeister Rolf Hoppe gerade mit dem Kran versucht, aus dem Wasser zu holen. "Das Kennzeichen steht für Konstanz", sagt Hoppe. Das Boot ist so eben auf die beiden Schlaufen des Kranes gefahren. Hoppe kontrolliert die richtige Position, schaut, ob alles in Ordnung ist. Andere Bootsbesitzer helfen. "So eine Kranaktion ist immer ein aufwendiger Vorgang. Das dauert seine Zeit", erklärt er. Dann drückt er einen Knopf und das Boot bewegt sich langsam nach oben.

Mit dem Kran werden Boote gehoben


Durchschnittlich 60 Vorgänge dieser Art muss Rolf Hoppe durchführen. "Darum sind wir auch der jährliche Anlaufpunkt für Genthiner Wassersportfreunde, die ihr Boot ins Wasser heben lassen wollen", sagt der Hafenmeister. Nicht nur das: Der Hafen liegt auf einer sehr guten Strecke. Von hier kommt man von Polen bis nach Frankreich oder eben andersherum. "Wir sind der erste Hafen nach der Wusterwitzer Schleuse. Wir sind das Tor zu Sachsen-Anhalt", sagt Hoppe mit einem Lächeln im Gesicht. Von den Besuchern werden vor allem die Stadtnähe und die Einkaufsmöglichkeiten gelobt. Kritisiert wird lediglich, dass er ein wenig zu klein ist. "Doch bisher haben wir alle unterbekommen", betont der Hafenmeister. Elf Boote mit einer Länge bis zu zwölf Metern ist die Kapazitätsgrenze des Hafens. "Die Wasserfreunde müssen eben Einsicht zeigen, dass man hier eng nebeneinander liegt", sagt Hoppe.

Sportboothafen besteht seit 2004


Vor zehn Jahren wurde der Genthiner Sportboothafen am Kilometer 362,3 des Elbe-Havel-Kanals gebaut. Knapp 500000 Euro hat er gekostet. Geld, das laut dem Betreiber SV Chemie Genthin gut angelegt ist. "Wir sind mit dem Hafen auf hohem Niveau präsent und haben mittlerweile einen guten internationalen Ruf", erklärt Vorsitzender Fritz Mund. Über 7600 Anleger nutzten den Hafen in dieser Zeit. Angefangen hat es 2004 mit 348, der Rekord lag 2009 bei 915 Booten, im vergangenen Jahr waren es auch wegen dem Hochwasser lediglich 750. "Die Planung einer Gesamtzahl ist kaum möglich. Ob hier einer anlegt, ist von klimatischen Bedingungen oder auch Wasserständen abhängig, die selten vorhersehbar sind", weiß Mund.

Abzusehen ist aber, dass der Kanal auf eine Breite von 55 Metern ausgebaut werden soll. Die Bauphase könne sich bis 2016 hinziehen, so Mund. Dann bekommen die Kanuten neue Stege und die Fußgängerbrücke wird verändert. "Oft kommen Fähren oder Hotelschiffe hier nur sehr aufwendig durch", erklärt Mund. Auch das Umfeld soll dann anspruchsvoll gestaltet werden. "Wir hoffen auf 2016, dann kann sich Genthin als Perle des Kanals wieder zeigen", macht der Vorsitzende des SV Chemie Genthins deutlich.

Hafen fördert Tourismus in Genthin


Denn die Stadt profitiert von dem Hafen. Einerseits wird sie bekannter, und andererseits werden Touristen in die Stadt gezogen, die bereits mehrere Tage auf dem Wasser unterwegs sind. "Die Anleger lassen Geld hier und nutzen die Stadtnähe, um für die nächsten Tage zu bunkern", erzählt der Hafenmeister und spricht von Lebens- und Hygienemitteln, aber auch von Treibstoff. Darum pflegt der Vereine auch eine enge Zusammenarbeit mit der Touristinformation.

Die "La gioia" ist aus dem Wasser gehoben und wird nun von Rolf Hoppe per Kran auf den Anhänger manövriert. Jetzt darf nichts schiefgehen. Aber routiniert und mit Hilfe der Wassersportfreunde wird das Segelboot sanft abgesetzt. Für den Hafenmeister wird es nicht das letzte Boot gewesen sein, was er aus dem Elbe-Havel-Kanal gezogen hat. "Die Saison ist lang", sagt Hoppe und lächelt.