Magdeburg l Es sind kleine Idyllen am Wasser, und sie bieten seit Dutzenden von Jahren ihren Pächtern Anbaufläche für Obst und Gemüse und einen Ruhepunkt. Doch jetzt müssen die Kleingärtner in der Oststraße aufgrund des Hochwasserschutzes ihre Gärten aufgeben. Am Donnerstagabend stellten Tiefbauamtsleiter Thorsten Gebhardt und Magdeburgs Baubeigeordneter Dieter Scheidemann die Hochwasserschutzpläne für die Oststraße vor. Gleichzeitig mussten sie sich dem Groll der Laubenpieper stellen. Bis auf drei Kleingärtner im nördlichen Bereich der Oststraße habe der Rest vor einigen Wochen aufgrund der geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen die Kündigung erhalten. Besonders ärgert es die Gärtner, dass ihnen nicht früher Bescheid gesagt wurde, bevor sie ihre Gärten wieder hergerichtet und Geld investiert haben. Dieter Scheidemann bat die Bürger um Nachsicht. "Hier gehören keine Gärten hin. So leid wie es uns tut", erklärte Thorsten Gebhardt. Zukünftig wird oberhalb der Gärten eine Hochwasserschutzmauer entlanglaufen. Eine Alternative zugunsten der Gärten wäre nicht genehmigungsfähig, so die Planer. Eine Hochwasserschutzwand inmitten der Gärten würde den Fluss einengen und Retentionsflächen nehmen.

Baukosten betragen 1,6 Millionen

Doch nicht nur die Kleingärtner werden verdrängt, auch der alte Kastanienbestand in der Oststraße wird wohl kaum der Maßnahme stand halten. Wie viele Bäume aber fallen werden, stehe noch nicht fest, so Gebhardt. In der Oststraße soll von der Anna-Ebert-Brücke bis zum Nordbrückenzug eine 1,30 hohe und 870 Meter lange Stahlbetonwand errichtet werden. Zudem werden Spundwände teilweise bis zu einer Tiefe von 8 Metern verbaut. Die maximale Hochwasserschutzhöhe wird bei 7,80 Meter am Pegel Strombrücke liegen. Die Stahlbetonwand soll mit einer Strukturschalung in Natursteinoptik verkleidet werden. Im Gegensatz zur Zollstraße wird die Oststraße keine vollständig durchgezogene Mauer erhalten. Die Stahlbetonwand verläuft im südlichen Teil direkt an den angrenzenden Grundstücken entlang, so bleiben der Rad- und Fußweg entlang der Alten Elbe der Öffentlichkeit erhalten. Im Vorfeld habe man sich bereits mit den betroffenen Grundstückseigentümern verständigt. "Hier wird es keine Schwierigkeiten und Bauhindernisse geben", versprach Gebhardt.

Im nördlichen Bereich und entlang der Badestraße verläuft die Hochwasserschutzwand auf der Seite des Elbufers. Im Katastrophenfall werden diese beiden Bereiche mit einer mobilen Hochwasserschutzwand geschlossen. Die Stahlbetonmauer endet in Höhe der Oststraße 10 und wird dort ungefähr eine Höhe von einem Meter haben.

Während am vergangenen Montag Bürger bei der Planungsvorstellung der Zollmauer kritisierten, dass die geplante Stahlbetonwand zu hoch sei und den Blick auf die Elbe versperre, wurden am Donnerstagabend Ängste laut, dass die geplante Mauer im Bereich der Kindertagesstätten mit 1,30 Meter zu niedrig sein könnte. Grund: Der Sandsackwall während der Juniflut 2013 soll in diesem Bereich eine Höhe von 1,50 Meter gehabt haben. Thorsten Gebhardt verwies aber auf die bestehenden Zahlen: "1,30 Meter sind ausreichend."

Planung liegt im Herbst vor

Die Bauzeit in der Oststraße wird laut Stadt 9 bis 12 Monate dauern. Gebaut werden soll im Nord- und Südabschnitt gleichzeitig. Im Herbst wird die endgültige Planung vorliegen. Der Baubeginn ist für Anfang 2015 vorgesehen. Die Kosten belaufen sich auf ungefähr 1,6 Millionen Euro.

Am Ende der Versammlung wurde erneut die Verlandung der Alten Elbe von den Bürgern kritisiert. Scheidemann erklärte, dass es Maßnahmen gebe, die zum einen den Einfluss des Cracauer Wehres auf die Alte Elbe untersuchen, zum anderen werde auch prüfen, welchen Einfluss das Ausbaggern der Alten Elbe auf den Wasserstand habe. Doch ehe es Ergebnisse gibt, wird noch viel Wasser die Elbe herunterfließen. Die Stadt rechnet mit ersten Resultaten in anderthalb Jahren.