Magdeburg l Zu dick? Normal? Zu dünn? Der Gradmesser dafür ist seit langem der sogenannte BMI. Die drei Buchstaben stehen für Body-Mass-Index. In Formel-Deutsch: Das Körpergewicht geteilt durch das Quadrat der Körpergröße (siehe Grafik). Der Index ist in letzter Zeit immer mal wieder in Verruf geraten. "Der BMI ist doch Quatsch", werden Sie immer mal hören. Meistens aber von Zeitgenossen, die selbst einen zu hohen BMI haben. Die also nach der reinen Lehre zu dick sind. Das macht stutzig. Haben Sie schon mal einen spacken Hering über den BMI wettern hören?

Die Kritik ist nicht selten ein Resultat verschobener Maßstäbe. Der BMI wurde schließlich schon 1871 entwickelt. Da die Anzahl der Dicken in den vergangenen Jahrzehnten angewachsen ist, bestimmen sie mehr und mehr das Erscheinungsbild und somit auch die Debatte. War früher ein BMI von vielleicht 23 gängig, so sind heute viele heilfroh, die 25 zu halten. Ab 25 beginnt Übergewicht. Aktuell bringen in Deutschland gut 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen zu viel auf die Waage. Das ermittelte das Robert-Koch-Institut in einer groß angelegten Studie (DEGS). Ein Viertel der Frauen und Männer gehören zu den ganz schweren Fällen; sie haben einen BMI von über 30, sind also adipös und einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Jene Hochrisikogruppe ist im vergangenen Jahrzehnt größer geworden. Vor allem immer mehr Jüngere sind viel zu schwer.

Moppel-Index ist umstritten

Einige Experten gewähren einen Alterszuschlag. Ein 50-Jähriger gilt demnach bis zu einem BMI von 27 als normalgewichtig. Ein 60-Jähriger sogar bis 28. Das hieße, bei einer Größe von 1,75 Meter wären bis zu 86 Kilo in Ordnung. Es gibt amerikanische Studien, die sagen, dass gerade Ältere mit einem höheren Gewicht Krankheiten besser überstehen. Es gibt aber auch Studien, die zeigen, dass Ältere eher krank werden, wenn sie dick sind. Der Moppel-Index ist also umstritten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bleibt daher konsequent beim klassischen Maßstab: Über einem BMI von 25 beginnt Übergewicht, ab 30 die gefährliche Adipositas.

Ernährungswissenschaftler Ronald Biemann von der Uni Magdeburg hält das Gemäkel am BMI meist für Ausreden. "Für 90 Prozent der Erwachsenen trifft der BMI zu." Ausnahmen sind Bodybuilder, Leistungssportler oder Schwerstarbeiter mit weit überdurchschnittlich vielen schweren Muskeln. Klar: Ein 1,85 Meter großer Zehnkämpfer kommt schnell auf 100 Kilo. Und ist dennoch nicht dick. Ein ebenso großer Bürokämpfer aber schon.

Was macht den Unterschied aus? Biemann: "Der 100-Kilo-Sportler hat garantiert keine 100 Zentimeter Bauchumfang."

Wobei wir bei einer zweiten wichtigen Messgröße sind. Gerade das Bauchfett hat erwiesenermaßen ungünstige Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Das Risiko für Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen steigt ab einem bestimmten Umfang mit jedem Zentimeter weiter an. Also, liebe Männer: BMI 28 und 100-Zentimeter-Ranzen? Aus der Nummer kommen wir nicht mehr raus, da helfen keine Hinweise auf Muskeln und andere Körperfasern. "Daher: Nicht nur wiegen, sondern auch einmal in der Woche den Bauchumfang messen", rät Martin Wolff, Apotheker und Ernährungsberater in Sülzetal (Bördekreis). Dazu gerade hinstellen und ein Bandmaß an der dicksten Bauch-Stelle anlegen. Am besten morgens, gleich nach dem Aufstehen.

Fett macht muntere Männer müde

Fett wirkt auch aufs Hormonsystem. Die gelben Zellen produzieren das Enzym Aromatase. Der Stoff mit dem wohlklingenden Namen hat eine verheerende Wirkung: Er wandelt das männliche Geschlechtshormon Testosteron in das weibliche Hormon Östrogen um. Das kann bei Männern zu unangenehmen Begleiterscheinungen führen. Irgendwann stellt sich dann die Frage: Wen wollen Sie mehr lieben - Ihren Bauch oder Ihre Frau?

Außer Gewicht und Bauchumfang sollten Sie ab und an auch den Fettanteil am Körpergewicht ermitteln. Das geht auch mit einigen Waagen für den Hausgebrauch, allerdings sind preisgünstige Fettwagen nach Einschätzung der Stiftung Warentest oft sehr ungenau. Also: Entweder ein höherwertiges Gerät kaufen oder zum Ernährungsberater gehen, der eine professionelle Waage hat. In den USA wurde ein neuer Index (BAI) zur Bestimmung des Körperfetts entwickelt, bei dem man ohne Messgerät auskommt. Deutsche Forscher kamen in einer großen Studie aber zum Ergebnis, dass BMI und Bauchmessung näher an der Realität sind als die amerikanische Methode. Noch genauer ist es, wenn Männer den Umfang der Taille und Frauen den Umfang ihrer Hüfte messen.

Auch das Wiegen und Messen hat eine psychologische Seite: Überfordern Sie sich nicht. In einem Kilo Fett stecken 7000 Kilokalorien. Wenn Sie richtig gut sind und täglich durch gesünderes Essen und mehr Bewegung 500 Kilokalorien einsparen, können Sie im Monat gerade mal 2 Kilo abspecken. Wer es mit einer Radikal-Diät übertreibt, riskiert bekanntlich den Jo-Jo-Effekt.

Letzte Folge am Donnerstag (17.4.): "Ich bin froh, dass ich kein Dicker mehr bin" - zwei ehemalige Schwergewichte erzählen, wie sie Pfunde und Tabletten loswurden

Bisher erschienen: "Der verdammte Jo-Jo-Effekt" (6.3.); "Runter vom Zuckerberg" (8.3.); "So kriegen Sie Ihr Fett weg" (13.3.); "Frühjahrsputz für Körper und Geist" (15.3.); "Volle Kanne Vollkorn" (20.3.); "Mit Köpfchen gegen den inneren Schweinehund" (22.3.); "Angeboren oder angefuttert?" (27.3.); "Wie Feuer und Wasser" (29.3.); "Rauchstopp ohne dick zu werden" (3.4.); "Dreimal essen macht schlank" (5.4.); "Runter vom Sofa - und dann?" (10.4.)