Wernigerode l An der Ecke Halberstädter Chaussee/Minslebener Straße hat sich eine kleine Menschenmenge versammelt. Die Warnwesten der Polizei leuchten gelb in der Abenddämmerung. Wenige Minuten nach Acht fängt es an zu regnen - kurz bevor der Schwerlaster in die Minslebener Straße einbiegt, auf den die Versammelten warten. Darauf befindet sich ein Waggon der Harzer Schmalspurbahnen (HSB), der quer durch die Wernigeröder Innenstadt rollen soll - auf der Strecke des Festumzugs zum Sachsen-Anhalt-Tag.

Der Testlauf soll den Organisatoren Sicherheit für die Planung des Großereignisses bringen. "Wir müssen ein Gefühl dafür bekommen, wie die Situation beim Umzug sein wird", sagt Kulturdezernent Andreas Heinrich. Vor allem wollen die Organisatoren wissen, ob das größte Fahrzeug des Umzugs alle Biegungen und Wendungen der Umzugsstrecke problemlos bewältigt.

Der Schwerlaster wird am 20.Juli eine Dampflok der HSB durch die Straßen von Wernigerode fahren - der Waggon, der am Dienstag den Testlauf absolvierte, hat die gleichen Maße, versichert Heide Baumgärtner von der HSB. 23Meter lang ist der Transporter samt Waggon, 2,75Meter breit und 4,35Meter hoch.

In den Straßen im Stadtfeld ist das kein Problem. Der 53Tonnen schwere Transporter rollt zunächst die Minslebener Straße entlang, vor ihm ein Polizeiauto mit eingeschaltetem Blaulicht und ein Begleitfahrzeug des Bauhofs mit gelbem Blinklicht - "eine Auflage des Landesverwaltungsamtes", erklärt Wernigerodes Ordnungsamtsleiter Gerald Fröhlich.

Dann biegt der Schwerlaster an der Pestalozzi-Schule links in die Ernst-Pörner-Straße ab, wenige Meter darauf geht es rechts in die Kohlgartenstraße - ein erster Härtetest, der im Schneckentempo absolviert wird. Die 90-Grad-Kurve hatten die Veranstalter vorab nicht als Problempunkt auf dem Zettel. "Da müssen wir noch einmal hinschauen", sagt Christian Legler von Studio D 4. Die Veranstaltungsagentur hat bereits bei 13 Sachsen-Anhalt-Tagen mitgearbeitet. Der Wernige-röder Christian Legler ist für das Sicherheitskonzept und die Infrastruktur mitverantwortlich. "Wir müssen darauf achten, dass hier niemand am Zaun steht", sagt Ordnungsamtschef Fröhlich - auf der linken Straßenseite fehlt der Bürgersteig, Zuschauer hätten am Fahrbahnrand keinen Platz neben dem Schwerlaster.

Mit knapp 20Stundenkilometern geht es weiter die Kohlgartenstraße hinab. Kurz vor der Tankstelle am Turbokreisel stoppt der Transporter - jetzt wird es spannend. "Der Wagen muss nach links in den Kreisel hineinfahren", erklärt Ordnungsdezernent Volker Friedrich. Nur so schafft er die Ausfahrt in die Breite Straße.

Die Polizei sperrt die Zufahrten, Autos stauen sich. Doch die vermeintliche Schwachstelle bewältigt der Schwerlaster mit Bravour. Es dauert kaum zwei Minuten, bis er seinen Weg in Richtung Innenstadt fortsetzt. "Das geht besser, als wir dachten", sagt Christian Legler, der das Manöver von der Kreiselmitte aus verfolgt hatte.

In der Breiten Straße kommt der Wagen zügig voran, nur an zwei Stellen bremst der Fahrer ab. "Wenn die Blumenkästen und die Poller wegkommen, ist das kein Problem", sagt Ordnungsdezernent Friedrich. Die Organisatoren schauen genau hin, wie viel Platz bleibt - es geht darum, wo und mit welchem Abstand Absperrgitter aufgestellt werden müssen.

Die Begleiter, die zu Fuß unterwegs sind, verfallen in Laufschritt, um mitzuhalten. "Die schwierigsten Stellen haben wir hinter uns", sagt Legler am Nicolaiplatz. Kurz vor halb neun erreicht der Konvoi den Marktplatz, begleitet von zahlreichen Schaulustigen. Nach einem Zwischenstopp am Rathaus rollt der Transporter weiter. Volker Friedrich gibt dem Fahrer, der in eine Kurve lenkt, Zeichen, hebt dann beide Daumen. Eine letzte Herausforderung ist das Westerntor, das der Schwertransporter fahren muss - auch das gelingt pro-blemlos.

Nach 35Minuten ist der Testlauf vorbei, die Organisatoren sind zufrieden. "Es hat auf den Zentimeter genau gepasst", sagt Heide Baumgärtner, die am Markt die Einfahrt des Wagens beobachtet. "Eine perfekte Generalprobe", fasst Ordnungsamtsleiter Fröhlich zusammen. Da ist der Waggon schon unterwegs zum HSB-Werksgelände am Ochsenteich.