Das Frauenhaus in Salzwedel
Die Einrichtung in Salzwedel wurde am 1. Januar 1991 eröffnet als erstes von insgesamt 20 Frauenhäusern in Sachsen-Anhalt. Träger ist der Verein Frauen- und Kinderhaus Salzwedel.
Das Salzwedeler Frauenhaus ist Mitglied beim Paritätischen Sachsen-Anhalt. Er betreut vier solcher Einrichtungen im Land, darunter in Stendal, Merseburg und Wolfen.
Die Arbeit des Frauenhauses gliedert sich in vier Bereiche: Schutz der Frauen durch die Aufnahme im Haus, Nachsorge, Beratung und Öffentlichkeitsarbeit.

Salzwedel l Ein simples Schild mit einer Notrufnummer ist an der Pforte angebracht, darunter eine Klingel ohne Hinweis. Die Anonymität des Frauenhauses in Salzwedel ist gewollt, denn hier sollen Frauen und ihre Kinder Schutz finden.

Wer hierherkommt, hat bereits jahrelang unter häuslicher Gewalt gelitten, berichtet Liane Kretschmer, die das Team des Frauenhauses leitet. 20 Frauen im Alter von 18 bis 86 Jahren und 24 Kinder hat die Einrichtung 2014 aufgenommen. Zwei Mitarbeiterinnen kümmern sich jeweils 30 Stunden pro Woche um die Belange der Hilfesuchenden. Die Frauen bleiben bis zu 52 Tage.

In Salzwedel stehen vier Zimmer zur Verfügung. Für akute Notfälle gibt es ein Reservezimmer. Die Auslastung betrug 2014 fast 77 Prozent, Reservebett mit eingerechnet. Das heißt, dass nahezu jedes der vier regulären Zimmer belegt war, rechnet Liane Kretschmer vor. Damit stößt das Frauenhaus an seine Grenzen. In diesem Jahr nämlich konnten die Mitarbeiterinnen 14 Frauen und 14 Kinder wegen Platzmangels nicht aufnehmen und mussten sie ans Frauenhaus in Stendal verweisen, das immerhin acht Zimmer zur Verfügung hat.

Im Vordergrund steht die Beratung der Frauen

Doch die Frauen in ihrer Not alleine zu lassen, kommt für die Mitarbeiterinnen nicht infrage. Denn das Frauenhaus ist nicht nur dazu da, den nötigen Schutz zu gewähren, sondern vor allem die Betroffenen zu beraten. Für sie gibt es eine Notrufnummer, die rund um die Uhr erreichbar ist. Nicht jede Frau, die dort anruft, sucht auch Zuflucht im Frauenhaus, sagt Liane Kretschmer. Viele wollen wissen, wie sie sich aus ihrer gegenwärtigen Situation befreien können. Die Mitarbeiterinnen helfen bei Behördengängen, Anträgen, bei der Wohnungssuche und vermitteln Kontakte zu Schulen, Therapeuten und anderen Ansprechpartnern.

2014 wurden in Salzwedel 56 Frauen beraten, ohne dass sie einen Aufenthalt im Frauenhaus benötigten. Dank der Hilfe der Mitarbeiterinnen können sie den Schritt in ein neues, gewaltfreies Leben wagen. Die meisten schaffen es auch, sagt Liane Kretschmer. "Die Frauen gehen gestärkt aus unserem Haus, auch wenn sie nur zwei bis drei Tage hier waren."

Bedauerlicherweise bringen nicht alle betroffenen Frauen den Mut auf, das Frauenhaus zu kontaktieren, sagt Dorit Schubert vom Paritätischen, der das Frauenhaus als Mitgliedsorganisation betreut. "Ich kann die Frauen nur ermutigen, die Hilfe anzunehmen, um ein freies Leben führen zu können", so Schubert. Und das so früh wie möglich, bevor die Situation zu Hause eskaliert.

Für weiteren Mitarbeiter fehlt Geld

Die Einrichtung befindet sich in freier Trägerschaft des Vereins Frauen- und Kinderhaus Salzwedel. Vieles läuft über ehrenamtliches Engagement, so zum Beispiel die Beschäftigung mit den Kindern, die die Frauen mit ins Haus bringen, berichtet die Vorsitzende Sabine Rönnefahrt.

Gerne würde der Verein eine weitere Mitarbeiterin beschäftigen, die die Kinder psychologisch betreut. Denn sie haben die Gewalt zu Hause miterlebt und wissen oft nicht mit ihren Gefühlen umzugehen. Doch dafür reicht das Geld nicht aus. Ebenso für verstärkte Präventivarbeit an Schulen. Denn die Einrichtung eines Frauenhauses ist eine freiwillige Aufgabe. Der Trägerverein ist auf Spenden und Zuwendungen von Kommunen, dem Landkreis und dem Land Sachsen-Anhalt angewiesen.

Auch für gemeinsame Feiern stehen dem Frauenhaus keine finanziellen Mittel zur Verfügung. Um den betreuten Frauen und Kindern ein paar schöne Momente wie ein Weihnachtsfest ermöglichen zu können, sind Spenden nötig. Dafür soll auch das Geld verwendet werden, das die Volksstimme-Leser über die Hilfsaktion spenden.