Der Aufschrei der Entrüstung war groß als bekannt wurde, dass Archäologen bereits im November 2008 mit großer Wahrscheinlichkeit die verschollen geglaubten Überreste der Königin Editha im Dom ausgruben und – heimlich – nach Halle abtransportierten. Inzwischen ist klar : Editha kommt zurück und wird wieder im Dom beigesetzt. Ihren Sarg zeigt das Kulturhistorische Museum bereits ab Ende August. Teilen des Stadtrates ist das nicht genug.

Magdeburg. Aus gegebenem Anlass haben die Liberalen für die Sitzung am kommenden Donnerstag eine " Aktuelle Debatte " beantragt. Thema: " Umgang mit dem Sarg von Editha ". Längst nicht nur die FDP Fraktion hat Klärungsbedarf. Ein Großteil des Rates stimmt in den zunächst zornigen Tonfall des Oberbürgermeisters über die klammheimliche Abfuhr der (wahrscheinlichen) Editha-Gebeine zur Erstpräsentation und Untersuchung nach Halle ein.

" Raub der Editha ", nennt Grünen-Fraktionschef Alfred Westphalmarkig das Delikt. Es habe deutlich gemacht, dass der Umgang mit archäologischen Funden hierzulande generell einer Neuregelung bedarf. Sie müsse verhindern, " dass die Fundorte und deren Verantwortungsträger zu Bittstellern um die Leihgabe ihrer eigenen Geschichte degradiert werden ". Die Grünen fordern das Stadtoberhaupt auf, eine Gesetzesänderung beim Land zu initiieren. Die Rechte der Gebietskörperschaften, auf deren Gebiet wertvolle Funde ausgegraben werden, sollen – im Sinne von " Eigentumsrechten " – gestärkt werden.

Ein Antrag der Linken zielt in die gleiche Richtung. Die Fraktion verlangt zwar nicht gleich eine Gesetzesänderung, sondern etwas milder eine " Vereinbarung über den Umgang mit archäologischen Funden auf dem Territorium der Stadt Magdeburg ". Letztlich geht es aber auch der Linken um eine zeitnahe Präsentation der Funde vor Ort und darum, dass " das Interesse der Bürgerinnen und Bürger Magdeburgs an der Geschichte ihrer Stadt angemessen gewürdigt " wird.

Schließlich stimmt auch die CDU in den Antragskanon zum Thema Editha und ihre Rückkehr ein. Die Christdemokraten unterstützen quasi nachträglich, was Lutz Trümper (SPD) schon unternommen hat : Der Oberbürgermeister möge mit dem Kultusministerium " in Verbindung treten " und die Präsentation möglichst vieler Fundstücke in Magdeburg ermöglichen. Die Welle der Empörung aus Magdeburg ist freilich längst bis ins Ministerium geschwappt. Der Minister hat die Herausgabe der Funde zur Präsentation in Magdeburg versprochen. Im Rahmen der Landesausstellung " Aufbruch in die Gotik ", mit der das Kulturhistorische Museum von August bis Dezember das 800-jährige Domjubiläum würdigt, wird nach jüngsten Meldungen auch der Editha-Sarg erstmals einer großen Öffentlichkeit gezeigt.

Unter dem Kurztitel " Editha im Pavillon " haben die Liberalen eine Idee für die Überbrückung der Wartezeit bis zur Rückkehr der Königin.

Wenn die Hallenser die Magdeburger denn schon um die Aufmerksamkeit zur Erstpräsentation des herausragenden Fundes gebracht haben, so solle dem Interesse der Menschen vor Ort zumindest mit bildlichen und textlichen Informationen nachgekommen werden. Der neue, repräsentative Pavillon hinter dem Kloster Unser Lieben Frauen ist dafür aus Sicht der FDP-Ratsfraktion der richtige Ort. Er könnte eine Foto-Dokumentation über die Ausgrabungen, das Auffinden des Bleisarges, in dem vermutlich Edithas Gebeine ruhen, und dessen Verbleib beherbergen. Es dürfe unterstellt werden, so die Liberalen, " dass das Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege in Halle kurzfristig entsprechendes Material aufbereitet zur Verfügung stellen kann ". Der just von der stadteigenen Marketinggesellschaft ins Leben gerufene " Stadtrundgang mit Editha " könne künftig bei " Editha im Pavillon " seinen Ausgangspunkt oder wahlweise sein Finale finden.

Die Editha-Debatte hält der Stadtrat am Donnerstag im Rathaus ab; Beginn gegen 14.30 Uhr. Interessierten Zuhörern steht die Besuchertribüne offen.