Berlin/Straßburg (dpa) l Die konservative Europäische Volkspartei (EVP) mit ihrem Spitzenkandidaten Jean-Claude Juncker geht als stärkste Kraft aus den Europawahlen hervor. Sie errang rund 28 Prozent der Stimmen, teilte das Europaparlament am späten Sonntagabend in Brüssel in einer Prognose mit. Vor fünf Jahren waren es noch 35,77 Prozent.

Mit fast 26 Prozent kam die Sozialdemokratische Partei Europas mit ihrem Spitzenkandidaten Martin Schulz auf Platz zwei. Auf Platz drei liegen die Liberalen mit knapp zehn Prozent. Rechtsorientierte und populistische Parteien kamen auf insgesamt rund 18 Prozent. Ob es am rechten Rand eine neue Fraktion geben wird, ist noch offen.

Mit dem Sieg sind Junckers Chancen auf den Posten des EU-Kommissionspräsidenten gestiegen. Die Staats- und Regierungschefs schlagen den Chef der Brüsseler Behörde vor, müssen dabei aber das Wahlergebnis berücksichtigen. Das Europaparlament pocht deshalb darauf, dass die stärkste Fraktion den Kommissionspräsidenten stellt.

In Deutschland verteidigten die Unionsparteien ihre Vorrangstellung - allerdings mit herben CSU-Verlusten. Die SPD legte nach ihrem Tief vor fünf Jahren kräftig zu, steht aber nach wie vor ein gutes Stück hinter der Union von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Der euroskeptischen Alternative für Deutschland (AfD) gelang nun locker, was ihr bei der Bundestagswahl noch knapp verwehrt blieb: der Einzug ins Parlament.

Die Grünen verloren leicht, blieben aber zweistellig. Die Linke erreichte in etwa ihr Ergebnis von 2009. Die FDP, im Herbst aus dem deutschen Parlament geflogen, schaffte nicht einmal mehr ein Drittel ihres bisherigen EU-Ergebnisses, bleibt jedoch in Straßburg vertreten.

Nachdem das Bundesverfassungsgericht im Februar die Fünf-Prozent-Hürde für die EU-Wahl gekippt hatte, erreichte die NPD einen Sitz, ebenso die Piratenpartei, Freien Wähler, Tierschutzpartei, Familienpartei und ÖDP.