Entsetzen im Koblenzer Landgericht über erschütternde Details einer Missbrauchsaffäre. Über 13 Jahre lang soll der Angeklagte seine drei Kinder missbraucht und gequält haben. 40 Mark kassierte er laut Anklage dafür, dass er seine Stieftochter für Sex-Orgien vermietete.

Koblenz (dpa). Er schüttelt hin und wieder den Kopf, berät sich mit seinem Anwalt – und gibt sich ansonsten unbeeindruckt. Dabei sind die Vorwürfe, die der hagere Mann im roten Sakko gestern im Landgericht Koblenz zu hören bekommt, unglaublich. Der Staatsanwalt schildert zum Prozessbeginn erschütternde Details eines Missbrauchsdramas in einem für Deutschland unbekannten Ausmaß. Der 48-jährige Familienvater aus Fluterschen im Westerwald soll Tochter und Stieftochter über Jahre sexuell missbraucht und sie für Orgien an andere Männer verkauft haben.

Auch am Stiefsohn vergriff er sich laut Anklage. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, jahrelang über die drei Kinder hergefallen zu sein. Er soll sich die Familie mit Schlägen durch Gürtel oder Peitsche gefügig gemacht haben. "Dieses kranke Schwein", heißt es in einem Brief der 18-jährigen Tochter, der im Gerichtssaal verlesen wird. Schließlich gibt der grauhaarige Angeklagte über seinen Anwalt zu, Vater der sieben Kinder seiner Stieftochter zu sein, doch die Missbrauchsvorwürfe bestreitet er.

Die beiden 28-jährigen Stiefkinder verfolgen als Nebenkläger das Verfahren. In der Anklage geht es um 350 Taten von 1987 bis 2010. Die zwischen 2000 und 2009 geborenen Kinder sind aber nicht Gegenstand der Anklage, und laut Gutachtern ist die Vaterschaft ohnehin praktisch erwiesen. Darüberhinaus steht der Familienvater im Verdacht, eines der mit seiner Stieftochter gezeugten Kinder missbraucht zu haben. Dazu droht ihm ein weiterer Prozess.

Alles begann laut Staatsanwaltschaft im Oktober 1987: Damals soll der 48-Jährige erstmals die Genitalien der beiden Stiefkinder, die damals fünf Jahre alt waren, angefasst haben. Dieser Missbrauch sei über Jahre so weitergegangen, heißt es. Das sei als Vater sein Recht, soll er gesagt haben. 1995 kam es dann laut Anklage zum ersten Sex: Die Stieftochter soll zu zwei anderen Männern gebracht und mit Schnaps gefügig gemacht worden sein. "Den Männern sagte er, sie könnten tun, was sie wollen", sagt Staatsanwalt Thorsten Kahl. Dann fiel nach seiner Darstellung einer über das Mädchen her, das sich unter Tränen heftig wehrte.

Im Hintergrund liefen angeblich Pornos, der Vater soll Fotos gemacht haben. 40 Mark kassierte er laut Anklage von den Beteiligten. Mindestens zweimal im Monat soll es über Jahre hinweg solche Missbrauchsorgien gegeben haben, einmal im Monat hatte der 48-Jährige angeblich allein Verkehr mit seiner Stieftochter. Für seine leibliche Tochter habe das Martyrium nach ihrem neunten Geburtstag begonnen. Auch sie soll jahrelang missbraucht worden sein und habe immer wieder fremde Männer befriedigen müssen.

Erste Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden 2002 eingestellt, weil die Familie alles abstritt. Nun brachte der bei Gericht verlesene Brief der Tochter, den ihre Stiefschwester im August 2010 fand und an das Jugendamt schickte, ein neues Verfahren ins Rollen. Seither sitzt der Mann, der nur von 2000 bis 2003 eine feste Arbeit als Lkw-Fahrer hatte, in Untersuchungshaft. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung.

 

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