Gröditz (dpa). Mit einem dunkelhäutigen Baby hat eine sächsische Bäckerei eine Woche lang für eine Schoko-Vanille-Schnitte geworben. Kunden protestierten.

"Es ist uns klar, dass es anstößig ist. Aber wir sind definitiv keine Rassisten", sagte Prokurist Christoph Raddatz gestern.

Auf dem Werbefoto für die "Schokotraum"-Schnitte ist das Kind im Gras sitzend zu sehen. Daneben steht der Slogan "Aktion" – und kleingedruckt: "Nur solange der Vorrat reicht. Änderungen und Irrtümer vorbehalten. Abbildung nur Serviervorschlag."

Die Bäckerei Raddatz aus Gröditz hat Filialen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. 580 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen in Deutschland, weitere 50 in Namibia. Das Baby, mit dem der "Schokotraum" beworben wurde, sei das Kind zweier Mitarbeiter aus Afrika. "Wir hatten schon bessere Aktionen, aber noch keine hat uns so eine Aufmerksamkeit gebracht", erklärte Raddatz. Die Firma engagiere sich seit Jahren sozial in Afrika.

Die meisten Kritiker hätten sich an dem Kleingedruckten gestoßen, sagte Raddatz. "Diese Angaben sind aber Pflicht bei jeder Backware. Normalerweise nimmt das kein Mensch wahr."

Er verstehe die Beschimpfungen und Rassismus-Vorwürfe nicht.

Die Aktion löste Wogen der Entrüstung aus: Vor einigen Filialen wurden Werbeaufsteller mit dem Motiv umgeworfen, Bäckerei-Verkäuferinnen wurden beschimpft und das Unternehmen bekam unzählige E-Mails, Anrufe und Gästebucheinträge. Dennoch wurde die einwöchige Kampagne nicht abgebrochen.

"Den Begriff ,Schokotraum‘ würde ich nicht noch einmal verwenden, aber die Assoziation dunkelhäutiges Baby und Schokolade würde ich auf jeden Fall wieder bringen", sagte Raddatz. Die kritischen Einträge im Internet-Gästebuch löschte er.

Es gebe auch Befürworter. Sogar aus Afrika seien Unterstützer-Anrufe gekommen, sagt der Prokurist. Er weist im Internet darauf hin, dass seine Firma im April eine Schul- und Küchenausstattung für etwa 500 Kinder nach Namibia schicke.

Prominentester Fan des Bäckers ist der Schauspieler Pierre Sanoussi-Bliss ("Der Alte"). Er habe als Schwarzer kein Problem mit dieser Werbung.