Das Hochwasser strömt mitten durch die Millionenmetropole Brisbane und reißt alles mit: Boote, Autos, Container. Straßen sind überflutet, die Menschen sind auf der Flucht. Ein vierjähriger Junge fällt aus einem Rettungsboot und ertrinkt.

Sydney (dpa). Die australische Wirtschaftsmetropole Brisbane erlebt einen Alptraum: Das Jahrhunderthochwasser hat den beschaulichen Brisbane River in einen reißenden Strom verwandelt und das öffentliche Leben praktisch zum Stillstand gebracht. Zehntausende flüchteten vor den Urgewalten. Im Nordosten Australiens starben bisher mindestens zwölf Menschen durch die Überschwemmungen. 67 Menschen sind vermisst gemeldet. Der Höhepunkt des Hochwassers wurde für heute erwartet.

Überall in der Region spielten sich dramatische Szenen ab. Mit knapper Not rettete sich eine hochschwangere Frau vor den Fluten und fand mit ihrem vierjährigen Sohn Unterschlupf in einem Notlager der australischen 140 000-Einwohner-Stadt Ipswich. Sie deutete auf vier Taschen. "Das ist alles, was wir noch haben", sagte sie. "Die ganzen Sachen für das Baby – alles weg."

In Brisbane, der drittgrößten Stadt auf dem Kontinent, rauschte der Brisbane River durch die Innenstadt und riss Boote, Autos und Container mit sich. Die Schäden gehen in die Milliarden. Matthew Johnson, Analyst der Bank UBS glaubt, dass die Folgen für Australien schwerwiegender sein werden als die des Hurrikans "Katrina" für die USA, der dort die Südküste 2005 verwüstete.

Im Flutchaos in Brisbane hoffen die Meteorologen auf Entspannung. Die Pegelstände am Brisbane River sollten unter der befürchteten Rekordmarke von 5,50 Meter bleiben. Jeder Zentimeter weniger Hochwasser bedeutete die Rettung für Dutzende Häuser. Am Morgen hatten die Behörden noch die Überflutung von bis zu 20000 Gebäuden befürchtet.

Es war auch so schlimm genug: Vielerorts gab die Uferbefestigung nach. Der Brisbane River überflutete ganze Straßenzüge. "Gerümpel, Sofas, halbe Häuserwände, Pontons mit Booten darauf und allerlei mehr schwamm die ganze Zeit den ziemlich schnell gewordenen Brisbane River hinunter", berichtete der Dresdner Webdesigner Torsten Schmidt, der in Brisbane lebt.

Das erste Todesopfer in der Stadt war ein vierjähriger Junge, der aus einem Rettungsboot fiel und von den Fluten fortgerissen wurde.

Vielen Supermärkten ging die Ware aus, weil die Leute in letzter Minute Vorräte anlegten. Vor den Ausgabestellen der Sandsäcke bildeten sich lange Schlangen.

 

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