Er war das letzte große Multitalent der Anfänge der Fernsehunterhaltung. Jetzt ist der Showstar Peter Alexander tot. Weggefährten sind bestürzt. Aus der Öffentlichkeit hatte sich der Entertainer aber schon lange zurückgezogen.

Wien (dpa/dapd). Mit unverwechselbarem Charme parodierte er sich in die Herzen von Millionen Fernsehzuschauern. Der österreichische Entertainer, Sänger und Schauspieler Peter Alexander ist im Alter von 84 Jahren in seiner Heimatstadt Wien gestorben.

In seiner Jahrzehnte umspannenden Karriere war der Sympathieträger der Garant für gute Laune, Meister der unbeschwerten Unterhaltung für die ganze Familie, Charmeur und Schwiegermutterschwarm. Bis heute werden seine Spielfilme regelmäßig im Fernsehen wiederholt. Alexander sei "ein Gigant", würdigte ihn sein inzwischen verstorbener Kollege Rudi Carrell. "Peter und ich haben Showbusiness gemacht. Da musst du alles können: Klamotte machen, Drama, singen, tanzen, schreiben, zaubern – alles", betonte er. An allein 37 Fernsehshows und 51 Spielfilmen wirkte Alexander mit. Außerdem nahm er etwa 120 Schallplatten auf.

Aus dem Rampenlicht hatte sich der Publikumsliebling schon seit Jahren komplett zurückgezogen. Vor allem seit dem Tod seiner Frau Hilde im Jahr 2003 mied er die Öffentlichkeit. Seine Tochter Susanne kam im März 2009 bei einem Autounfall in Thailand ums Leben.

Frühes Show-Talent

Peter Alexander Ferdinand Maximilian Neumayer wurde am 30. Juni 1926 in Wien geboren. Sein Showtalent machte sich früh bemerkbar: Schon in der Schule sorgte er mit seinen Lehrer-Parodien für Lacher, das Klavierspiel brachte sich das musikalische Naturtalent mit 15 Jahren selbst bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Entlassung aus englischer Kriegsgefangenschaft schrieb sich Peter Alexander seinem Vater zuliebe für ein Medizinstudium ein, wechselte aber sofort zum Schauspielstudium ans Max-Reinhardt-Seminar.

Wesentlich beeinflusst von seinem großen Vorbild Frank Sinatra wurde das Showgeschäft zu seiner Leidenschaft. 1951 nahm Alexander seine erste Schallplatte auf. Rund 1300 Titel sollten folgen – darunter Ohrwürmer wie "Das machen nur die Beine von Dolores", "Der letzte Walzer", "Die kleine Kneipe" und "Hier ist ein Mensch". Peter Alexander wurde zur Stimme des Aufschwungs.

Schon 1952 debütierte er auch als Filmschauspieler. Millionen Kinozuschauer sahen seine Musikfilme und Komödien: "Liebe, Tanz und 1000 Schlager", "Im Weißen Rössl", "Charleys Tante" oder "Saison in Salzburg". Die Figuren, die er spielte und die oft wie er den Namen Peter trugen, waren Sympathieträger – der mittellose Musiker etwa, der herzensgute Portier.

Wesentlichen Beitrag an Alexanders Karriere hatte seine Frau und Managerin Hilde. 1952 heiratete er die junge Schauspielerin, die ihm zuliebe ihren Beruf aufgab, dafür aber um so energischer an seiner Laufbahn feilte. Hilde ebnete auch seinen Wechsel ins Fach des Showmasters. Ab 1969 moderierte Alexander eigene Fernsehshows, sang, parodierte und begrüßte internationale Stars. "Peter Alexanders Wunschkonzert" bescherte dem ZDF 1973 die Traum-Einschaltquote von 79 Prozent. "Er ist der beste Stimmen- und Schauspieler-Imitator aller Zeiten," erklärte Rudi Carrell.

Mit dem Niedergang der Showformate Mitte der 90er Jahre zog sich die Legende schließlich zurück, zeigte sich enttäuscht von der Qualität weiterer Angebote.

Könner mit Sympathie

Nichts sei einfacher, als Alexanders Erfolg zu erklären, sagte einst der Fernsehproduzent Wolfgang Rademann. "Das ist einfach ein Könner, ein hochtalentierter Mensch, mit einer unglaublich sympathischen Ausstrahlung auf das Publikum. Eine Mischung, wie wir sie nur einmal nach dem Krieg hatten und wahrscheinlich so schnell nicht wieder bekommen."

Auch der Entertainer war mit seiner Karriere zufrieden. Als er die gerade erschienene Bildbiografie "Das tat ich alles aus Liebe..." las, habe er gedacht: "Menschenskind, warst du aber fleißig", schrieb er in einem Vorwort. Über das Fernsehen der Gegenwart sprach Alexander 2001 ein vernich-tendes Urteil: "Das Fernsehen ist so brutal, ordinär und billig geworden. In wenigen Jahren sind so ziemlich alle Tabus gefallen, und der gute Geschmack ist auf der Strecke geblieben."