Die Hoffnung, den Ölfluss im Golf von Mexiko mit einer großen Kuppel zu stoppen, war vergebens – jetzt sucht BP einen Plan B gegen die Ölpest. Unterdessen will eine private Organisation die Ölpest mit Haaren bekämpfen.

Washington (dpa). Während der britische Mineralölkonzern versucht, die Lecks zu stopfen, lief für die möglicherweise bald betroffenen Küstenorte eine ganz andere Hilfswelle an. Eine gemeinnützige Organisation namens "Matter of Trust" (Vertrauenssache) sammelt mit großem Erfolg Menschen- und Tier-Haare, die – in Nylonstrumpfhosen gestopft – helfen sollen, das Öl im Meer aufzusagen, noch bevor es die Küsten erreicht.

Haare könnten das Fett aus der Haut saugen und somit auch das Öl bei einer Ölpest herausziehen, sagte die Initiatorin Lisa Craig Gautier. Täglich träfen mehr als 200 Tonnen Haare aus aller Welt in den Küstenorten ein. Etwa 370000 Friseursalons und sehr viele Privatleute beteiligten sich an der ungewöhnlichen Aktion.

Mit anderen Methoden arbeitet BP daran, die Ölpest im Meer zu beseitigen. Nach Angaben des Unternehmens seien mehr als 275 Schiffe dabei, Öl abzuschöpfen. Insgesamt seien so bereits mehr als 10 Millionen Liter Öl entfernt wurden. Zudem seien bislang insgesamt mehr als eine Million Liter Chemikalien eingesetzt worden, die das schwere Öl in harmlosere Brühe umwandeln sollen.

Das Hauptaugenmerk richtet der Konzern aber darauf, die Öl-Quelle zu verstopfen. Denn weiterhin strömen täglich 700000 Tonnen Rohöl aus.

BP schießt Golfbälle auf defektes Ventil

Eine der geplanten Maßnahmen ist, eine kleinere Kuppel aus Stahl und Beton über das Haupt-Leck zu stülpen, aus dem ein Großteil des Öls sprudelt. Sie soll weniger Angriffsfläche für die Kristalle bieten, die den Versuch am Wochenende scheitern ließen.

Parallel dazu sollen Gummiteile, zum Beispiel von alten Autoreifen, oder Golfbälle unter Hochdruck in das tonnenschwere Sicherheitsventil geschossen werden, um die Öl-Quelle zu verstopfen. All diese Techniken seien allerdings in einer solchen Meerestiefe mit großen Unsicherheiten behaftet, erklärte BP.

Der Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" kostet den Konzern bereits jetzt sehr viel Geld. Das Unternehmen gab nach eigenen Angaben bisher umgerechnet 270 Millionen Euro aus, um die Schäden zu bewältigen. Darin enthalten seien unter anderem Kosten für die Eindämmung des Öls, für Entlastungsbohrungen und die Hilfe für die US-Küstenstaaten. Experten rechnen am Ende mit einem Milliardenbetrag.

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