Der Ölkonzern BP gibt sich demonstrativ optimistisch, doch die Regierung in Washington hält sich auffällig bedeckt. Ist tatsächlich ein Durchbruch im Kampf gegen die Ölpest gelungen?

Venice/Washington (dpa).Nach vier Wochen und zahlreichen vergeblichen Anläufen pumpen die Ingenieure erstmals Öl aus dem Leck der Bohrinsel "Deepwater Horizon". BP-Manager Doug Suttles hat endlich einmal positive Nachrichten zu verkünden. Es gebe "gute Fortschritte", sagte er an diesem Montag. Rund 1000 Barrel – umgerechnet 136 Tonnen – Öl seien mittlerweile abgesaugt worden. Das Öl im Golf von Mexiko wird in 1500 Meter Tiefe durch ein Absaugrohr, das in die defekte Steigleitung eingeführt wurde, in einen Tanker gepumpt.

Doch das bedeutet, dass lediglich ein kleiner Teil des ausströmenden Öls tatsächlich aufgefangen wird. Nach Schätzungen von BP sprudeln nämlich seit dem Unfall vor vier Wochen täglich rund 700 Tonnen ins Meer. Inoffizielle Schätzungen von Wissenschaftlern sprechen sogar von wesentlich größeren Mengen – manche meinen, es fließen in Wahrheit 9500 Tonnen täglich aus dem Leck. Immerhin: Suttles verspricht, die aufgefangene Ölmenge solle in den nächsten Tagen allmählich gesteigert werden. Während US-Medien zumindest von einem Hoffnungsschimmer sprechen, hält sich die Regierung von Präsident Barack Obama auffällig zurück. Sie verzichtet darauf, in den Chor der Optimisten einzustimmen.

In einer Erklärung des Innen- und des Heimatschutzministeriums in der Nacht zum Montag heißt es lediglich, BP habe einen weiteren Versuch unternommen, die Ölpest einzudämmen. "Diese Technik stellt keine Lösung des Problems dar, und es ist noch unklar, wie erfolgreich sie sein könnte", heißt es in der Erklärung. Ausdrücklich betont die Regierung: "Wir werden nicht ruhen, bis BP das Bohrloch permanent versiegelt hat."

Im Klartext: Lediglich Öl aus dem Leck abzusaugen, genügt nicht. Auch BP-Manager Suttles räumt ein, dass noch viel zu tun ist. Auch er dämpft hochfliegende Hoffnungen, dass das Leck rasch geschlossen werden kann. Ein "quick fix" – eine schnelle Lösung – sei nicht in Sicht. Entsprechende Versuche zur Schließung des größten Lecks in der Tiefe würden erst Ende der Woche starten. Möglicherweise werde es noch zehn Tage dauern, bis die Misere im Griff ist, meinen andere BP-Experten. Dabei soll das Leck mit einem Gemisch aus schwerem Schlamm "beschossen" werden. Dann könnte es mit Zement versiegelt werden.

Zu einem anderen Thema schweigt BP völlig: Mit keinem Wort kommentiert der britische Konzern, der die Bohrung gut 70 Kilometer vor der US-Küste durchführte, die Hiobsbotschaft von Wissenschaftlern, wonach es riesige Unterwasser-Ölschwaden gebe, die die Tierwelt gefährden könnten. Dazu könne er gar nichts sagen, betont Suttles auf mehrmaliges Fragen eines Reporters. "Aber wir halten nichts zurück, absolut nichts", fügt der BP-Manager hinzu.

Größere Fische können der Ölpest im Golf von Mexiko nach Expertenansicht ausweichen. "Wenn die das Öl im Wasser riechen, löst das eine Fluchtreaktion aus", sagte Gunnar Gerdts von der Biologischen Anstalt des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) auf Helgoland. Auch Delfine würden "sicherlich versuchen zu flüchten". Bei Kleinfischen sei das leider nicht so. "Auch alles, was sozusagen passiv im Meer ist wie Plankton, Fischeier und anderes kann nicht ausweichen und wird demzufolge geschädigt."