Washington (dpa). Die schwerste Ölpest in der US-Geschichte nimmt immer dramatischere Formen an: Ingenieure des BP-Konzerns sind mit ihrem Versuch gescheitert, das defekte Bohrloch vor der US-Küste mit massivem Schlammbeschuss zu schließen. "Wir konnten den Ölfluss nicht stoppen", sagte BP-Manager Doug Suttles zur sogenannten Operation "Top Kill".

Weiterhin verseuchen täglich riesige Mengen Rohöl das Meer – vermutlich noch Wochen und Monate. Nächste Woche will BP einen nächsten Versuch zur Eindämmung des Desasters starten – doch frühestens im August könnte das Leck endgültig abgedichtet werden. Unter den Menschen an der US-Küste wachsen unterdessen Entsetzen und Wut. Öl-Experten sind ratlos.

US-Präsident Barack Obama äußerte sich geschockt. Er ließ eine ungewöhnlich emotionale Erklärung veröffentlichen: "Das ist ebenso zornerregend wie herzzerreißend..." Zugleich betonte der Präsident, dass der nächste Schritt, wenigstens Teile des ausströmenden Öls aufzufangen, "nicht ohne Risiko ist und noch niemals zuvor in dieser Tiefe versucht wurde".

Die ökologischen Folgen des Desasters sind unabsehbar: Vor den Küsten Louisianas und Mississippis ist schon mehr Öl als beim Unfall des Tankers "Exxon Valdez" 1989 vor Alaska ausgelaufen. Täglich fließen 1600 bis 3400 Tonnen Rohöl ins Meer.