akz-i Chronische Schmerzen sind erst vorstellbar, wenn man selbst davon betroffen ist. Die Deutsche Schmerzliga (DSL) hat 2.300 Schmerz-
patienten zu ihrem Befinden befragt. Das wohl wichtigste Fazit: Die Schmerzbetreuung muss weiter verbessert werden.
"Wie geht es Ihnen?" – eine Frage, die jeder oft hört und schnell mit einem "gut" beantwortet. Doch was sagt jemand, der sich jeden Tag mit Schmerzen auseinandersetzen muss? "Schlecht bis sehr schlecht" – das gaben knapp 70 Prozent der Befragten an. Ein ehrliches und zugleich erschreckendes Ergebnis. Es zeigt, dass sich Millionen Menschen Tag für Tag und Nacht für Nacht mit chronischen Schmerzen quälen und somit Opfer der so genannten "stillen Epidemie" sind.

Vorurteile wie "Nun hab’ dich nicht so" –
Im Kampf gegen den Schmerz ist die Deutsche Schmerzliga mit ihrer Patientenbefragung unter 2.300 Betroffenen einen wichtigen Schritt vorangekommen. "Mit den Umfrageergebnissen haben wir nun ganz konkrete Aussagen dazu, welche Bereiche der Versorgung es weiterhin zu verbessern gilt", erklärt Harry Kletzko, Vizepräsident der DSL. Die meisten Betroffenen klagen nicht allein über die Schmerzen, sondern auch über unzureichenden und qualitativ schlechten Schlaf. Zudem ist das Freizeit- und Sozialverhalten deutlich eingeschränkt, Schmerzen machen einsam. Weitere Punkte, die kritisiert werden: die schlechte Versorgung im Gesundheitssystem und nicht zuletzt der Kampf gegen Vorurteile wie "Nun hab’ dich mal nicht so".

Wichtig: Kombinierte Behandlungen – "Wir werden auf Grundlage dieser Umfrage ganz dezidiert die Lücken der Schmerzversorgung in Deutschland bei den Verantwortlichen ansprechen und für eine Verbesserung der Situation kämpfen", sagt Kletzko. Zu berücksichtigen ist, dass sich chronische Schmerzen meist nur mit einer kombinierten Behandlung nachhaltig bekämpfen lassen, bei der neuartige Medikamente, Physiotherapie und Psychotherapie die Grundbausteine darstellen. Denn häufig handelt es sich nicht nur um den "einen" Schmerz, sondern um mehrere Erscheinungsformen. Und für diese muss dann der richtige Therapie-Mix gefunden werden. Mit der mechanismen-orientierten Therapie oder multimodalen Therapieansätzen (d. h. das Zusammenspiel von unterschiedlichen Disziplinen der Medizin) bekommen Schmerzgeplagte spezielle und individuelle Hilfe, die der Ursache und den Mechanismen auf den Grund geht. Ziel: Eine ausreichende Schmerzlinderung mit wenig Nebenwirkung und damit verbunden eine gesteigerte Lebensqualität. Weiterreichende Anstrengungen und Forschungen sind demnach notwendig, um die Therapien kontinuierlich zu verbessern.