Wiesbaden - Manche kuscheln für ihr Leben gern. Andere bleiben lieber auf Distanz. Wie viel Körperkontakt ein Mensch mag, liegt unter anderem in seiner Kindheit begründet.

Wie viel Nähe ein Mensch als angenehm empfindet, entscheidet sich größtenteils in den ersten 12 bis 18 Lebensmonaten. Haben die Eltern viel Körperkontakt mit ihrem Kind und geben ihm viel Zuneigung, wird es wahrscheinlich auch später im Leben positiv auf Berührungen reagieren, erklärt Prof. Ralf Nickel, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an den Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden.

Wie eine Berührung empfunden wird, hängt aber auch immer von anderen Faktoren ab, etwa wie gut sich die Menschen kennen oder ob die Berührung zu Hause oder in der Öffentlichkeit erfolgt. Bei zurückhaltenden, introvertierten Menschen könne eine Umarmung mit einem Fremden zum Beispiel Stress auslösen, erläutert Nickel. Positiv empfundener Körperkontakt hingegen führt zur Ausschüttung von den Botenstoffen Dopamin und Oxytocin, die das Wohlbefinden steigern.

Negative Erfahrungen zum Beispiel mit Gewalt führen allerdings mitunter dazu, Nähe als unerträglich zu empfinden. Eine Behandlung könne dann helfen, sich langsam wieder an Berührungen zu gewöhnen, so Nickel.