Magdeburg. Endometriose heißt eine häufige Frauenkrankheit, die oft erst nach Jahren diagnostiziert und nicht immer optimal behandelt wird. Diese unbefriedigende Situation wollen Mediziner mit einem neu gegründeten Endometriose-Zentrum ändern. Am Wochenende diskutierten Gynäkologen, Fortpfl anzungsmediziner und Patientinnen darüber in Magdeburg.

Zyklusabhängige Kreuz- und Unterleibsschmerzen sowie außergewöhnlich starke Regelblutungen sind Symptome, die auf eine Endometriose hinweisen. Bei dieser Krankheit wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ( Endometrium ) ähnlich ist, an den Eierstöcken, im Darm, am Bauchfell und anderen Organen. Das kann sehr schmerzhaft sein und führt nicht selten zu Verwachsungen der Eileiter.

" Etwa zehn Prozent aller Frauen im gebärfähigem Alter sind betroffen ", sagt Doreen Jackisch von der Endometriose-Vereinigung. Die vor zwölf Jahren gegründete Selbsthilfeorganisation bietet leidenden Frauen und deren Angehörigen vielfältige Unterstützung – angefangen von alltäglichen Dingen des Umgangs mit der Krankheit bis hin zu sozialrechtlichen Fragen. Von der Selbsthilfeorganisation kam auch der Anstoß zur Gründung medizinischer Zentren, in denen Ärzte unterschiedlicher Fachdisziplinen sich um die Betroffenen kümmern.

Notwendig ist das, weil Diagnostik und Therapie keineswegs einfach sind. Erste Hinweise geben die geschilderten Beschwerden. Manchmal liefert das Ultraschallbild zusätzliche Hinweise auf innere Einblutungen. Eine sichere Diagnostik ermöglicht aber erst eine Bauchspiegelung ( Laparoskopie ), bei der verdächtiges Gewebe entdeckt, minimalinvasiv durch die Bauchdecke entnommen und im Labor von Pathologen untersucht werden kann.

" Nicht immer entspricht das Ausmaß der geweblichen Veränderungen den Beschwerden, die eine Frau mit Endometriose hat ", sagt Professor Jürgen Kleinstein von der Magdeburger Uniklinik für Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie. " Insbesondere junge Frauen und Mädchen haben oft sehr starke Beschwerden. " Bei Teenagern wird jedoch häufig nicht an eine Endometriose als möglicher Grund der Beschwerden gedacht, so der Arzt. " Nicht wenige Mädchen und junge Frauen helfen sich deshalb mit freiverkäuflichen Schmerzmitteln aus der Apotheke, einer Wärmfl asche auf dem Bauch oder mit krampflösenden Tees ", so Doreen Jackisch.

Die Folge ist, dass zwischen dem Auftreten erster Beschwerden und der ärztlichen Diagnosestellung oft viele Jahre vergehen. Erst wenn der Kinderwunsch nicht in Erfüllung geht, wird im Rahmen der umfangreichen Diagnostik die Endometriose festgestellt.

Statistisch verdankt jede dritte Frau demnach ihre Kinderlosigkeit den Folgen dieser Krankheit. Die gute Nachricht ist, dass nach mikrochirurgischen Operationen oftmals doch eine Schwangerschaft möglich ist.

Die Fortpfl anzungsmediziner an der Universität Magdeburg haben sich auf diesem Gebiet einen bundesweit guten Ruf erarbeitet. In dem Anfang 2008 gegründeten Endometriose-Zentrum arbeiten sie zusammen mit Magen-Darmfachärzten, Chirurgen, Schmerztherapeuten, Urologen und Pathologen der Uni. Außerdem gibt es gute Kontakte zu Rehakliniken, die spezialisiert auf die Behandlung von Frauen mit Endometriose sind. Die Kassen übernehmen die Kosten dieser Kuren.