Magdeburg - Allergien bei Kindern sind ein zunehmendes Problem. Nicht nur Substanzen wie Nickelsulfat ( in Schmuck ) oder Isozyanate ( in Lacken, Schaumstoffen oder Klebstoffen ) können Kontaktallergien auslösen. Besonders häufig entstehen Allergien nach Kontakt mit Para-Phenylendiamin ( PPD ). Diese Chemikalie fi ndet sich aber bei dem besonders bei Kindern und Jugendlichen beliebten Färbemittel Henna, das bei aufgemalten Tattoos in die Haut gelangt.

Lange galten die schmucken kurzzeitigen Henna-Tattoos – auch Temptoos genannt – als harmlose Urlaubssouvenirs, die nach etwa zwei Wochen wieder verschwinden. Seit aber immer mehr Menschen über Juckreiz und ekzematöse Hautveränderungen aufgrund solcher Henna-Tattoos klagen, ist der vermeintlich natürliche Hautschmuck ins Gerede gekommen. Die filigranen schwarzen Henna-Tattoos sind besonders bei jungen Menschen begehrte " Mitbringsel " aus südlichen Ländern ( vor allem Ägypten, Indien und einigen Mittelmeerländern ), wo Künstler sie auf Straßen günstig anbieten.

Henna ist ein rötliches Pulver, das aus den Blättern des Cyperstrauchs ( Lawsonia inermis ) gewonnen wird. Der Strauch kommt zum Beispiel in Indien, Afrika und auf Sri Lanka vor. Für Henna selbst ist keine sensibilisierende Wirkung nachgewiesen. Reines Henna wird von den meisten Menschen vertragen. Allerdings wird Henna häufi g das besagte Allergie verursachende Para-Phenylendiamin beigemengt, um den Farbton der orangegelben Hennafarbe abzudunkeln, die Farbe zu intensivieren sowie eine kürzere Trocknungszeit zu erreichen.

Der Auslöser der allergischen Reaktion ist also nicht der pfl anzliche Henna-Farbstoff selbst, sondern eine meist hohe Konzentration der Chemikalie PPD. In Europa darf PPD kosmetischen Mitteln zur Färbung der Haut grundsätzlich nicht zugesetzt werden. Hersteller aus Nicht-EU-L ändern sind aber an diese Vorgaben nicht gebunden, und so enthalten die Produkte nicht selten erhebliche Mengen an PPD.

Oft treten die Hautallergien nach dem Aufmalen der temporären Tätowierung zeitlich verzögert auf. Dann sind sie schon vollständig verblasst, wenn die ersten Beschwerden auftreten. Oder es kommt bereits einige Tage nach Aufbringen der Temptoos zu ersten Reaktionen : Juckreiz, Rötungen, Knötchen und Bläschen. Einige entwickeln darüber hinaus nässende, teilweise verkrustete Hautveränderungen innerhalb der Tätowierung. In schweren Fällen sind auch Beinödeme und Bläschen an Händen und Füßen diagnostiziert worden, manche klagen über ein eingeschränktes Allgemeinbefi nden. Vereinzelt sind Reaktionen wie schmerzhafte, Tage anhaltende Schwellungen von Haut und Schleimhaut, Nesselsucht, Rhinitis oder auch Asthma bronchiale aufgetreten.

Wer einmal gegenüber PPD sensibilisiert ist, kann lebenslänglich allergisch auf den Stoff oder auf Farben mit ähnlicher chemischer Struktur reagieren, zum Beispiel beim Haarefärben. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt deshalb vor den Risiken von mit PPD versetzten Henna-Tattoos.