Wie viel Schlaf ist eigentlich gesund ? Stimmt es, wie der Volksmund sagt, dass der Vormitternachtsschlaf der gesündeste ist ? Und : Warum fühle ich mich nach einem 12-Stunden-Schlaf am Wochenende weniger erholt als nach einem normalen Alltagsschlaf ? Es antwortet Privatdozent Dr. Jens Schreiber, Chefarzt des Fachbereiches Pneumologie am Universitätsklinikum Magdeburg.

Für die Mehrzahl der organisch und psychisch gesunden Erwachsenen ist eine ungestörte und ununterbrochene Schlafdauer von 7 bis 8 Stunden optimal. Dabei benötigen Kinder mehr Schlaf als Erwachsene, und im Alter kann sich die Schlafdauer weiter verringern. Bei Erkrankungen kann das Schlafbedürfnis zeitweise zunehmen.

Es gibt erhebliche Unterschiede im individuellen Schlafbedürfnis. Ein bis zwei Prozent der gesunden Bevölkerung sind so genannte Kurzschläfer, die regelmäßig mit 5 Stunden und weniger Schlaf auskommen. Prominente Beispiele sind Napoleon, Churchill oder die Gebrüder von Humboldt.

10 bis 20 Prozent hingegen benötigen neun Stunden Schlaf und mehr ( zum Beispiel Goethe und Einstein ). Gesundheitlich bedenklich sind eine dauerhafte Unterschreitung ( chronischer Schlafmangel ) oder Überschreitung der individuell optimalen Schlafdauer.

Es ist nicht korrekt, dass der Schlaf vor Mitternacht besonders gesund sei. Entscheidend ist, dass der Schlaf in ausreichender Länge ungestört ist und ausreichende Anteile an Tiefschlaf ( Stadien III und IV ) und Traumschlaf ( REMSchlaf ) enthält. Es gibt Morgenmenschen ( sogenannte Lerchen ) und Abendmenschen ( sogenannte Eulen – umgangssprachlich auch gerne als Morgenmuffel bezeichnet ), die ihr individuelles Leistungsmaximum zu den entsprechend unterschiedlichen Tageszeiten erreichen.

Ideal ist es, wenn der Schlaf von ausreichender Dauer und Qualität täglich zur gleichen Zeit stattfi ndet. Insofern ist es auch nicht sinnvoll, am Wochenende 12 Stunden zu schlafen. Die Verlängerung ist fast ausschließlich durch eine Zunahme von sehr oberfl ächlichem Schlaf bedingt, der nicht erholsam ist. Zu langes Schlafen kann depressive Stimmungslagen begünstigen. Es ist auch nicht möglich " auf Vorrat " zu schlafen.

Ebenso beeinträchtigt eine ständige Verschiebung der Schlafphase, zum Beispiel durch Schichtarbeit, die Schlafqualität. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Schlafdauer und - qualität und der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Neben der Dauer des Schlafs ist also auch seine Qualität bedeutsam. Wenn trotz ausreichend langem Schlaf weiterhin eine Tagesmüdigkeit besteht, dann ist eine schlafmedizinische Untersuchung und eventuell Behandlung erforderlich.

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