Berlin / Magdeburg - In der Pubertät reifen Kinder zu Erwachsenen heran. Dann sind es nicht allein Bart- und Schamhaare, die wie wild zu sprießen beginnen. Auf der einstmals reinen Kinderhaut wachsen plötzlich eitrige Pickel, die manch einem Teenager rasch unschöne Beinamen wie " Pizzagesicht " oder " Streuselkuchen " einhandeln. Doch dem kann man heute entgegenwirken.

Entgehen kann man dem Problem namens Akne nicht : " Akne bekommt praktisch jeder ", sagt Professor Harald Gollnick, Direktor der Magdeburger Universitätsklinik für Dermatologie und Leiter der Weltkonferenz Akne. Immerhin haben rund 70 Prozent der Jugendlichen Glück, und die Hautkrankheit verläuft mehr oder weniger unauffällig.

" Die restlichen 30 Prozent bedürfen ärztlicher Hilfe, um ihre Akne in den Griff zu bekommen ", erläutert Gollnick. Ihnen kann heute mit modernen Medikamenten gut geholfen werden, bis die Akne wieder von selbst verschwindet. Denn sie ist zwar eine chronische Krankheit, allerdings nur für eine bestimmte Dauer. Nach der Pubertät verschwinden die Pickel meist genauso zuverlässig, wie sie aufgetaucht sind. Die Ausnahme ist die sogenannte Spättypakne, die Menschen im reiferen Alter trifft.

Gerade in der Pubertät stecken die Veränderungen im Hormonhaushalt hinter der Pickelblüte im Gesicht oder auf Rücken und Brust. Die Ausschüttung von Sexualhormonen führt dazu, dass die Hautdrüsen verstärkt Talg produzieren. Bleiben abgestorbene Hautzellen der Hornschicht im Ausgang kleben, verschließen sie die Talgdrüse wie ein Deckel. Entzünden sich die Pfropfen, entwickeln sich eitrige Pickel, Pusteln und Knoten.

Wichtig ist laut Gollnick, dass Akne während ihrer Blütezeit konsequent von einem Hautarzt behandelt wird. Wer für regelmäßige Praxisbesuche nicht die nötige Disziplin aufbringt oder sich die Pickel lieber selbst vor dem heimischen Spiegel ausdrückt, riskiert sichtbare Folgeschäden : Die Hautentzündungen heilen nicht vollständig aus, und zurück bleiben hässliche Aknenarben und Verfärbungen, die mitunter das ganze Leben zu sehen sind.

Zwar lassen sich diese Narben heute beispielsweise mit Laser, kosmetischen Behandlungen oder einem chemischen Peeling teils gut retuschieren. " Zu hundert Prozent gelingt dies aber nie, die Wunderwaffe gegen Narben haben wir noch nicht ", sagt Gertraud Kremer, Ärztin für Hautkrankheiten und Medizinische Kosmetik in Berlin. Man könne die vernarbten Areale lediglich bis zu einem gewissen Grad den gesunden Hautpartien angleichen.

Wer sich dagegen frühzeitig professionelle Hilfe holt, kann mit einfacher und schneller Behandlung rechnen. Der Hautarzt schält die Hornschicht auf verpfropften Drüsen, damit sich der Pfropf löst und der Talg wieder abfl ießt. Entzündete Pickel lassen sich mit Antibiotika behandeln. Schwere Formen der Akne bekommt man nach Angaben von Kremer mit Vitamin-A-S äure-Präparaten in den Griff. Sie hemmen die Aktivität der Talgdrüsen und die Akne kommt zur Ruhe. Allerdings müssen während dieser Therapie regelmäßig die Leberwerte geprüft werden, denn die Wirkstoffe des Medikaments können das Organ belasten.

" Tabu ist die Einnahme in der Schwangerschaft, denn es kann zu Fehlbildungen kommen ", warnt die Hautärztin. Vorbeugen lässt sich Akne nicht. Der Grad der Anfälligkeit ist neben der hormonellen Komponente zu einem großen Teil genetisch bedingt. Allerdings kann man die Ausprägung der Krankheit abmildern, indem man sich regelmäßig bewegt und gesund ernährt. " Wir wissen, dass sich Akne bei Verzicht auf Kohlenhydrate wie Zucker und auf gesättigte Fettsäuren weniger stark ausprägt ", erläutert Facharzt Gollnick.

Man kann also auch selbst etwas dazu beitragen, dass Akne nicht zum ernsten Problem für den weiteren Lebensweg wird und sich unnötig " seelische Narben " bilden. Diese seien für die Patienten am schlimmsten, betont Gollnick. Viele Betroffene schämen sich für ihr Aussehen mit den Pickeln, und es gehört ganz normal zu ihrem Alltag, vonihren Mitschülern oder später auch von Kollegen an ihrem Arbeitsplatz gehänselt zu werden.