Kinder entdecken die Welt und wollen alles ausprobieren. Das Wort "Gefahr" existiert für sie nicht. Als Eltern unternimmt man alles, um Unheil von ihnen abzuwenden und sie sicher aufwachsen zu lassen. Doch trotz vieler Vorsichtsmaßnahmen kann immer etwas passieren – Schrammen und Beulen gehören zum Aufwachsen dazu. Doch was tun, wenn wirklich einmal ein Notfall eintritt?

"Die häufigsten Verletzungsursachen bei Kindern bis sechs Jahre sind Stürze, Verbrennungen und Vergiftungen", weiß Elias Becker, Rettungsassistent und Experte für Kinder-Erste-Hilfe, der im Auftrag der AOK Sachsen-Anhalt Seminare durchführt. Dann ist es wichtig zu wissen, was im Notfall zu tun ist.

Wenn es ernst wird

Zunächst das Wichtigste: Bleiben Sie ruhig! "Das ist leichter gesagt als getan, aber die Ruhe der Eltern überträgt sich positiv auf das Kind. Zudem vermeiden Sie so unüberlegtes Handeln. Verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick über das Ausmaß und die Auswirkungen der Notfallsituation", rät der Experte.

Dann sollte schnell Hilfe organisiert werden. Becker :"Haben Sie immer die passenden Telefonnummern griffbereit. Es schadet nicht, die Nummer vom Giftnotruf oder von Nachbarn zu notieren, die im Notfall ein Geschwisterkind betreuen können. Ist die Verletzung schlimmer oder verschlechtern sich die Symptome, rufen Sie sofort den Notruf 112."

Ein Mitarbeiter der Leitstelle wird Sie dann auffordern, die folgenden W-Fragen zu beantworten:
1. Wo ist der Notfall?
2. Was ist geschehen?
3. Wie viele Verletzte oder Erkrankte gibt es?
4. Welche Art von Verletzung oder Erkrankung liegt vor?

Bis der Rettungswagen eintrifft, können Eltern allerdings schon viel tun, um Verletzungen zu behandeln. Folgende Tipps des AOK-Experten können Sie ohne große Vorkenntnisse umsetzen.

Verbrühungen und Verbrennungen

Sollten Sie zum Unfall hinzukommen und nicht gesehen haben, was passiert ist, erkennen Sie Verbrennungen an Merkmalen wie Schmerzen, Hautrötungen, Blasenbildung oder tiefergehenden Gewebeschädigungen.

"Zunächst sollten Sie die Brandwunde mit kaltem Wasser (15 bis 20 Grad) mindestens zehn Minuten kühlen. Unterbrechen Sie bei großflächigen Verbrennungen das Kühlen", sagt Becker. "Decken Sie die Brandwunde – mit Ausnahme von Gesichtsverletzungen – danach mit keimfreiem Verbandsmaterial locker ab. Speziell geeignet sind Verbandtücher, die auch die in den Verbandkästen für Kraftfahrzeuge und für Betriebe enthalten sind."

Zudem sollten Sie Brandblasen nicht öffnen und keine Salben, Puder, Öle oder "Hausmittel" aufbringen. "Wichtig ist auch die richtige Schockvorbeugung, d.h. halten Sie Ihr Kind warm und bringen Sie es gegebenenfalls in die Schocklage, bei der die Beine höher gelagert werden", sagt der AOK-Experte. Außer bei Bagatellverbrennungen sollten Sie schließlich den Notruf alarmieren.

Vergiftungen

Vergiftungen sind bei Kindern relativ häufig. Wenn Sie genau wissen, was Ihr Kind aufgenommen hat, kommt es auf schnelles und richtiges Handeln an. Experimentieren Sie nicht herum, rufen Sie frühzeitig professionelle Hilfe.

Sollten Sie nicht sofort erkennen, welche Substanz Ihr Kind genommen hat, achten Sie auf Symptome wie extreme Müdigkeit, besondere Erregtheit, Übelkeit und Erbrechen, Krämpfe oder Gangstörungen. Bei Verdacht auf eine Vergiftung sollten Sie sofort den Notruf alarmieren. Folgende Fragen sollten Sie dann beantworten:


  • Wann wurde das Gift eingenommen?

  • Welches Gift könnte es gewesen sein?

  • Welche Menge wurde aufgenommen?

  • Wie wurde das Gift aufgenommen?


Bis der Notruf eintrifft, sollten Sie zunächst das Kind beruhigen und seine Vitalfunktionen kontrollieren. "Auch hier ist gegebenenfalls die Schocklage hilfreich. Versuchen Sie aber auf keinen Fall, das Kind zum Erbrechen zu bringen", rät Becker. Wichtig ist zudem, dass Sie Giftreste, Verpackungen oder Erbrochenes für die Ärzte sicherstellen, damit diese nachvollziehen können, was das Kind genommen hat.

Starke Blutungen – Druckverband richtig anlegen

Ist das Kind gestürzt oder hat sich geschnitten, können starke Blutungen auftreten. Hier sollte das Kind sofort hingelegt werden, was auch gleichzeitig der Schockvorbeugung dient. Um den Blutstrom zu verringern, muss der verletzte Arm oder das Bein hoch gelagert werden, sodass die Wunde höher liegt als das Herz. "Legen Sie dann einen Druckverband an und alarmieren Sie den Notruf."

Beim Druckverband muss laut AOK-Experte folgendes beachtet werden: "Die keimfreie Wundauflage sollte nicht berührt werden. Legen Sie nun die Wundauflage auf die Wunde und sichern Sie ihren Halt durch zwei Bindengänge. Legen Sie dann ein elastisches Druckpolster, z.B. ein zweites, ungeöffnetes Verbandspäckchen, unmittelbar auf die Wundauflage."

Das Druckpolster sollte mit mäßigem Zug durch mindestens vier Bindengänge befestigt werden. Die Bindengänge sollten sich auf dem Druckpolster kreuzen und auf der Rückseite des Verbandes breit liegen (sogenannte Achtertouren). Ist die Farbe der Haut allerdings rot bis blau und geschwollen, hat der Verband einen Blutstau erzeugt. "In diesem Fall sollten Sie den Verband lockern und dann über dem Druckpolster verknoten."

Lernen von Profis

Diese ersten Maßnahmen sind sehr wichtig bei der ersten Hilfe für Ihr Kind. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Tipps, z.B. wenn das Kind einen Gegenstand verschluckt hat oder von einem Insekt gestochen wurde.

Die AOK Sachsen-Anhalt bietet spezielle Kinder-Erste-Hilfe-Seminare, die sich an Eltern und Angehörige mit Kindern bis zu sechs Jahren wenden. In den maximal dreistündigen Veranstaltungen erläutern Rettungsassistenten wie Elias Becker oder Kinderärzte wichtige Regeln und Sofortmaßnahmen in häufig auftretenden Notfallsituationen.
Wann und wo die nächsten Kinder-Erste-Hilfe-Seminare stattfinden, erfahren Sie auf www.aok.de/sfamilienexperten und an der kostenfreien Servicehotline 0800 2265726. Hier können Sie sich auch gleich anmelden oder die Broschüre "Notfälle im Kindesalter" mit vielen Tipps für Prävention und Erste Hilfe bestellen. Das Seminar ist für alle Teilnehmer kostenfrei.