Starkes Übergewicht fördert die Entstehung schwerer Krankheiten mit all ihren negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität des Betroffenen und das Gesundheitssystem. Viele Kinder und Jugendliche sind betroffen.

Die Kinder-Reha-Klinik in Bad Kösen behandelt jedes Jahr rund 350 übergewichtige Kinder. Eine stationäre Therapie dauert sechs Wochen. Die meisten schaffen es in den ersten sechs Monaten, die erlernten gesunden Verhaltensweisen daheim fortzuführen und ihr Übergewicht weiter zu reduzieren.

Viele Kinder und Jugendliche kehren danach jedoch zu ihren alten Gewohnheiten zurück. Frust, der sich aus dem Verfehlen überhöhter Erwartungen oder die üblichen Nackenschläge ergibt, macht sie empfänglich für die allgegenwärtigen Verlockungen von Fast-Food mit Freunden, Süßigkeiten, Fernsehen und Computerspielen. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, benötigen die Jugendlichen Hilfe zur Festigung der neuen Lebensgewohnheiten. Das geschieht am Besten durch jemanden, der selbst eine solche Therapie bewältigt hat.

Das ist die Idee des bundesweit neuen Konzeptes namens PASS. Es verspricht langfristige Erfolge für adipöse Jugendliche für die Zeit nach der Klinik. Hinter der Abkürzung verbirgt sich Peer Coaching für Adipöse Jugendliche nach Stationärer Reha mit Supervision durch Case Manager. Übergewichtige Jugendliche, die aus der stationären Reha kommen, erhalten einen gleichaltrigen Betreuer an die Seite. Dieser unterstützt sie beim weiteren Abnehmen und Durchhalten.

PASS ist ein zunächst einjähriges, erfolgversprechendes Modell, übergewichtige Jugendliche auf ihrem Weg zu einem gesünderen Lebensstil zu begleiten. Die Kinder-Reha-Klinik in Bad Kösen, der einzigen Einrichtung dieser Art in Sachsen-Anhalt, die Porta Quadra R* GmbH und die AOK Sachsen-Anhalt sind starke Partner der bei der Umsetzung der Initiative.

Ausbildung zum Peer Coach

"Was ich geschafft habe, das kannst Du auch und ich helfe Dir dabei!" – so lautet die Kernbotschaft des Projektes PASS. Das Vorbild und Wort von Gleichaltrigen hat oft mehr Gewicht als das von Eltern, Lehrern oder auch Ärzten. PASS nutzt dieses Verhalten, wenn es darum geht, adipöse Jugendliche nach absolvierter Rehabilitation beim weiteren Abnehmen und Durchhalten zu unterstützen. Die Peer Coaches sollen sozial kompetente, verantwortungsvolle junge Menschen sein, die bereit sind, Gleichaltrigen, die gegen ihr Übergewicht kämpfen und gerade aus der Reha kommen, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Jugendliche im Alter von 15 bis 21 Jahren können sich ab sofort im Internet auf der Homepage www.a-team-coach.de für eine Ausbildung als Peer Coach (Mentor, Betreuer) anmelden. Dazu muss ein Fragebogen ausgefüllt werden. Voraussetzung für den künftigen Peer Coach: Er muss sein starkes Übergewicht (Adipositas) um mehr als fünf Prozent reduziert und dann über ein Jahr erfolgreich gehalten haben. Nach Auswahl geeigneter Kandidaten erfolgt dann ihre Schulung in Wochenendkursen. Die geschulten Jugendlichen stehen Gleichaltrigen dann mit Rat und Tat zur Seite.

Zu den Aufgaben eines Peer Coach gehört es, seine "Schützlinge" im Alter zwischen 13 und 17 Jahre im Bemühen, das Übergewicht dauerhaft in den Griff zu bekommen, zu motivieren
und ihn zu unterstützen. Dabei geht es vor allem darum, bei Misserfolgen nicht gleich aufzugeben. Peer Coaches sind Ansprechpartner, Helfer und seelischer Beistand in einem. Bei drohenden Rückfällen oder psychosozialen Krisen organisiert er Hilfe. Dabei kann er seinen eigenen Erfahrungsschatz einbringen. Zudem unterstützt der Peer Coach seinen Schützling bei ganz alltäglichen Sachen, zum Beispiel bei der Suche nach einem Sportverein. Mindestens eine Stunde pro Woche ist für die Betreuung eingeplant. In regelmäßigen Abständen wird dann kontrolliert, ob das Zweigespann Peer Coach und Proband erfolgreich ist, beispielsweise durch die Dokumentation erzielter Fortschritte und die Festlegung gemeinsamer Ziele.

Die AOK Sachsen-Anhalt unterstützt das Projekt. Dazu gehört, dass sie sich finanziell an den Ausbildungsseminaren für die Coaches beteiligt und dass sie ein kleines Honorar an die Coaches zahlt.

Weitere Informationen gibt’s bei der AOK Sachsen-Anhalt im Internet unter

www.aok.de/sa

oder

www.a-team-coach.de.