Stell dir vor, es ist Wahl und keiner tritt an. Vor diesem Problem steht der kleine Ort Drogen bei Altenburg an diesem Sonntag. Wenn die gut 100 Wahlberechtigten zur Urne gehen, bekommen sie zwei leere Zettel ausgehändigt. Sowohl für den Gemeinderat als auch fürs Amt des Bürgermeisters hat sich kein einziger Kandidat gefunden.

Während in Sachsen-Anhalt in solchen Fällen die Wahlen abgeblasen und wieder neu angesetzt werden, bis sich dann jemand findet oder ein Ort seine eigene Vertretung verliert, läuft dies im benachbarten Freistaat anders: Die Bürger von Drogen können am Sonntag auf die Zettel schreiben, wen sie mögen. Danach wird gezählt, wer wie oft genannt wurde. Die Gewählten werden gefragt, ob sie das Amt übernehmen wollen - neben dem Bürgermeisteramt sind im Gemeinderat sechs Plätze zu vergeben.

Viel Erfolg hatte dieses Verfahren bislang jedoch nicht: Schon die letzte Gemeinderatswahl im Mai 2014 scheiterte - fast 40 Namen wurden auf die Blanko-Zettel geschrieben, doch lehnte einer nach dem anderen ab. Nicht einmal drei Leute fanden sich, damit das Gremium beschlussfähig geworden wäre. Und nun hat auch noch Drogen-Chefin Christine Helbig nach zwölf Jahren als ehrenamtliche Bürgermeisterin das Handtuch geworfen.

So komisch Name und Wahlverfahren auch anmuten - Drogen steht für die schwierigen Verhältnisse in vielen Dörfern. Die Sucht nach Kommunalpolitik hat dort angesichts leerer Kassen und kaum vorhandener Spielräume spürbar nachgelassen. dpa/mr