Frage : Kann ein Schlaganfall eigentlich auch zu Psychosen führen ? Und wenn ja : Wie dauerhaft sind sie und wie zu behandeln ? Es antwortet Professor Dr. Claus-W. Wallesch, Direktor der Universitätsklinik für Neurologie Magdeburg.

Der Begriff " Psychose " wird meist für die psychiatrischen Krankheitsbilder der schizophrenen und affektiven ( manischen und depressiven ) Psychosen verwendet, die auch im Stoffwechsel und den Strukturen des Gehirns begründete Ursachen haben.

Bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts weiß man auch, dass organische Hirnkrankheiten wie der Schlaganfall oder die Parkinsonsche Erkrankung zu Veränderungen des Gefühlserlebens führen, vor allem Depressionen sind bei diesen Erkrankungen nicht selten. Sie werden mit antidepressiv wirkenden Medikamenten und Psychotherapie behandelt.

Selten können Schlaganfälle auch zu manischer Erregtheit sowie zu wahnhaften Verkennungen führen. Auch hier werden Medikamente oder Psychotherapie eingesetzt, wobei der Psychotherapeut in diesen Fällen neuropsychologisch ausgebildet sein sollte.

Schließlich und nicht selten gibt es psychische Störungen, die nur bei strukturellen Hirnerkrankungen – so auch nach Schlaganfällen – und internistischen Stoffwechselentgleisungen sowie bei Überbelastung mit bestimmten Medikamenten auftreten. Hierzu gehören vor allem Verwirrtheit. Deren Behandlung setzt eine genaue Aufklärung des individuellen Ursachengefüges voraus.

In der Diagnostik arbeiten Neurologen / Nervenärzte und Internisten eng zusammen. Häufig dauert es eine längere Zeit, bis die Hirnfunktion wieder ins Gleichgewicht gebracht ist. Medikamente sollten kritisch und sparsam eingesetzt werden, wichtig ist vor allem, dass dem Betroffenen Hilfen zur Orientierung gegeben und internistische Begleiterkrankungen behandelt werden.