Magdeburg l Mit Styropor an der Wand sollen Hausbesitzer Gas und Öl sparen - doch zur Herstellung des geschäumten Stoffs müssen ganze Ölseen leer gepumpt werden. Doch nicht nur der Umweltnutzen ist zweifelhaft, auch die wirklichen Kosten sind höher als sie zunächst scheinen.

Im Trend liegt das Wärmedämmverbundsystem. Der Klassiker: Dünne Außenwand, darauf Styropor und obendrauf etwas Putz. Das Ganze wird oft mit viel technischem Schnickschnack im Inneren kombiniert. Mit Wärmepumpe, Lüftungsanlage und eventuell noch eine Klimatisierung. All die Technik kostet Geld, frisst zudem teuren Strom und muss irgendwann repariert werden. "Wir stülpen uns Plastiktüten über und kaufen uns dann eine stromfressende Lüftung - das ist doch Wahnsinn", sagt Peter Frießleben, Vize-Präsident der Architektenkammer. Leider würden viele Häuslebauer nicht auf die laufenden Kosten schauen, die sich über die Jahre summieren.

Hinzu kommt das Problem einer begrenzten Haltbarkeit. Tausende dieser supergedämmten Wände wurden im Laufe der Zeit nämlich schon grün. Farbgeber sind Algen. Die Ursachen sind mittlerweile gut erkannt. Die organischen Putze bieten einen guten Nährboden für Algen und auch Pilze. "Das sieht nicht nur häßlich aus, sondern kann auch gesundheitsschädlich werden", sagt Frießleben. Zwar gibt es mittlerweile algenhemmende Anstriche, doch deren Giftstoffe gelangen wiederum ins Grundwasser. Es gibt sogar erste elektrische Fassadenheizungen, um auftretendes Kondensat auf der Oberfläche zu vermeiden. Doch dann muss wieder Strom verpulvert werden. Also: Irgendwann muss die grüne Wand wieder runter. Und das Styropor landet auf dem Sondermüll.

Was sind die Alternativen?

Erstens: Ein Neubau beginnt mit der klugen Planung. Wichtig sind die Ausrichtung der Räume je nach Grundstückslage und Himmelsrichtung; Größe und Platzierung der Fenster, je nach Bauart auch Dachüberstände zum Schutz vor Regen und Sonne und schließlich das Material für Wände und Fußböden. "Es gilt, das rechte Maß zu finden, um Behaglichkeit zu erzeugen", sagt Friesleben.

Zweitens: Dicke Wände sind besser als dünne. Wie viele Zentimeter es sein sollten, hängt vom Material und vielen anderen Faktoren ab. Hier ist es ratsam, den Architekten zu fragen. Ziegel, Porenbeton oder Lehm bieten winters Schutz vor Kälte und sommers Schutz vor Wärme. Eine Alternative sind Holzständerwände, die mit Zellulose ausgeblasen werden. Eine dritte Variante bietet sich mit einer massiven Holzwand an. "Holz entwickelt sich immer mehr zum High-Tech-Produkt", meint Frießleben.

Aber egal, was man nimmt: "Alles ist besser als eine dünne Wand mit Styropor." Wichtig sind wärmespeichernde und diffusionsoffene Bauweisen, die Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben können. Sie bieten Algen oder Schimmelpilzen keinen Nährboden. "Und teure Haustechnik wie Wärmepumpen und Lüftungsanlagen kann man unter Umständen komplett sparen", rät Friesleben. "Die Mehrkosten der wirklich ökologischen und nachhaltigen Wand machen sich so über die Jahre bezahlt."

Wichtig sind natürlich Dach- und Fußbodendämmung, die aus mineralischen oder natürlichen Materialen bestehen sollten. Dazu gehören etwa Mineralwolle oder Zellulose.

Und beim Altbau?

Ganz oben auf die Sanierungsliste gehören Dämmung für Dach, Dachboden und Kellerdecke sowie neue, zugdichte Fenster. Mitunter reicht das schon aus, und an den Wänden muss gar nichts weiter gemacht werden. Der Bauherr ist auch hier gut beraten, das vom Fachmann prüfen zu lassen. Allerdings haben viele Gründerzeithäuser nur scheinbar dicke Mauern: Oft bestehen sie aus nur dünneren tragenden Ziegelwänden mit einer vorgesetzten Schmuckfassade. Um die Außenpracht zu wahren, ist eine Innendämmung angesagt. Gerade hier passieren aber viele Fehler. Bringt man zum Beispiel einfach nur Styroporplatten an, die keine Feuchte aufnehmen, kriecht Wasserdampf in die Holzbalkendecke, die irgendwann fault. Auch bei der Innendämmung gibt es Alternativen. Dazu gehören zum Beispiel hoch dämmende Porenbetonsteine. Sie können Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben. Die Steine werden von innen an die Wand geklebt. "Das muss sehr sorgfältig und vollflächig geschehen", rät Frießleben. Möglich ist auch eine Holzweichfaserdämmung. Bei Fachwerkwänden sind auch Kalziumsilikatplatten eine langjährig erprobte Variante, sagt Frießleben.

"Der Materialeinsatz richtet sich aber immer nach der Wandbeschaffenheit, der Himmelsrichtung und allen notwendigen Begleitmaßnahmen", sagt Frießleben. Hier gebe es keine allgemeingültige Lösung. "Irgendwelche Dämmplatten ankleben, kann fast jeder, aber eine solide Beratung ist das A und O." Sachsen-Anhalts Architekten wünschen sich von der Politik mehr Augenmaß, mehr Aufklärung und eine bessere Ausbildung der Energieberater. "Derzeit läuft es nach der Devise: Dämmen oder Kompensation durch Technik - koste es, was es wolle."

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