Düsseldorf/Hannover (dpa) l Wenn die Landwirte den Mist ihrer Tiere auf die Felder fahren, stinkt es oft zum Himmel. Dies aber ist das kleinere Problem, das von der Gülle ausgeht. Dank moderner Düngetechnik, die die Gülle direkt in den Boden einbringt, wurden die Treibhausgasemissionen inzwischen deutlich verringert. Im Grundwasser aber führt die Düngung weiterhin zu einer überhöhten Nitratbelastung in Landstrichen mit viel Viehhaltung. Die besonders betroffenen Länder Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen steuern jetzt mit einem sogenannten Güllekataster gegen.

"Das neue Meldesystem ist verpflichtend für alle Landwirte, die Gülle außerhalb ihres Hofes verbringen", erklärt der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Düsseldorf, Wilhelm Deitermann. Die Datenbank erfasse, welcher Landwirt wie viele Tiere besitze und wohin er Gülle transportiere.

In NRW sollen die Daten der im vergangenen Jahr gestarteten Datenerfassung 2014 erstmals ausgewertet werden. "Das Kataster werden wir dafür nutzen, Indizien zu finden, wo etwas nicht richtig läuft", meint Deitermann. Die Hoffnung sei, dass mit dem erhöhten Dokumentationsaufwand Transparenz und in der Bevölkerung Vertrauen geschaffen werde, dass sich der Landwirt an das Gesetz halte, sagt die Sprecherin des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes, Andrea Bahrenberg.

Dies ist dringend nötig, denn die EU-Kommission droht Deutschland mit einem Vertragsverletzungsverfahren, weil es nicht genug für die Gewässerqualität tut.

In Niedersachsen ist es den Landwirten gelungen, sich gegen eine zusätzliche Datenerfassung zu wehren. Der Landesbauernverband versicherte Landwirtschaftsminister Christian Meyer, auf datenschutzrechtliche Bedenken zu verzichten, damit das Ministerium auf Basis bereits erfasster Daten mehr Einblick in die Gülle-Ströme erhält. Dabei geht es dem Grünen Ressortchef um mehr als den Schutz von Grundwasser und Böden: "Es bleibt unser politisches Ziel, keine weitere Massentierhaltung insbesondere in den viehdichten Regionen mehr zu fördern, sondern durch Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung diese auszubremsen und zu verringern."

Während es in den übrigen Bundesländern keine Probleme mit einem Zuviel an Gülle gibt, plagen NRW und Niedersachsen zusätzlich Importe aus den Niederlanden. Im Nachbarland, wo die Regeln zu Jahresbeginn erneut verschärft wurden, gibt es einen Überschuss an Gülle, der Export am besten nicht allzu weit über die Grenze ist wichtig für das Agrarland. Der Versuch von NRW, die Einfuhr zu begrenzen, scheiterte vor Gericht. Inzwischen kooperieren NRW und Niedersachsen mit den Niederländern und haben Einblick in deren akribische Buchführung. Mit mehr Kontrolle hoffen sie nun, das Problem auch in Deutschland in den Griff zu bekommen.