Pilzberatung vor Ort

Wer sich bei einem gesammelten Pilz nicht sicher ist, ob er essbar ist, kann sich an einen der 89 geprüften Pilzberater in Sachsen-Anhalt wenden. Die Liste ist im Internet unter www.lvps.de sowie bei der Geschäftsstelle des Landesverbands der Pilzsachverständigen Sachsen-Anhalt (LVPS) unter der Telefonnummer 0391/6227557 erhältlich. Diese Experten beraten ehrenamtlich und kostenlos.

Im vergangenen Jahr wurden beim Landesverband fünf Fälle von Pilzvergiftungen bekannt. Da es keine Meldepflicht gibt, wird die Dunkelziffer als hoch eingeschätzt. 2013 gab es Vergiftungen mit Giftchampignons, Wiesen- und Feldtrichterlingen sowie Glimmertintlingen. Keine davon war tödlich.

Die örtlichen Pilzberater raten dringend, Pilze von Rasenflächen und Gärten, in denen kleine Kinder spielen, abzusammeln und wegzuwerfen. Die Kinder sollten die Pilze auf keinen Fall in den Mund stecken und nach Kontakt die Hände gründlich waschen. Passiert dies doch, sollte sofort ein Arzt sowie ein örtlich geprüfter PIlzberater gerufen werden.

Alte, verschimmelte, durchnässte oder vom Frost angefrorene Pilze sind gesundheitsschädlich. Die Pilze sollten möglichst noch am gleichen Tag verarbeitet und verzehrt werden. Außerdem sollten keine Wildpilze roh gegessen werden. Diese sollten mindestens 15 Minuten erhitzt werden. Die Putzreste sollte man ein bis zwei Tage aufbewahren. Falls es doch zu einer Vergiftung kommt, können Experten anhand der Reste die Pilzart bestimmen und der Arzt danach die Therapie verordnen.

Der Landesverband sucht weitere ehrenamtliche Pilzberater. Wer Interesse hat, kann sich beim Vorsitzenden Martin Groß unter der Telefonnummer 0391/6227557 melden. Vom 12. bis 14. September ist in Helmstedt die Herbsttagung mit Fortbildungen und einer Ausstellung.

Im vierten Teil unserer Serie geht es um Vergiftungen durch Pilze und ihre Folgen. Professor Dr. Wulf Pohle beschäftigt sich seit vielen Jahren damit und wurde schon oft als Experte zu Vergiftungsfällen ins Krankenhaus gerufen.

Herr Pohle, wie merke ich denn, dass ich eine Pilzvergiftung habe?
Wulf Pohle:
Die meisten fühlen sich kurze Zeit, nachdem sie das Pilzgericht gegessen haben, unwohl. Oft treten Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall auf. Das lässt sich aber nicht verallgemeinern, da es elf verschiedene Typen von Pilzvergiftungen gibt. Viele äußern sich durch Störungen des Verdauungstraktes, es gibt aber auch solche, die auf das Nervensystem oder andere Organe wirken.

Was sind die drei gefährlichsten Vergiftungen?
An erster Stelle steht der Grüne Knollenblätterpilz. Er enthält Amanitine und Phalloidine, die die Leber zerstören. An zweiter Stelle kommt das Gyromitra-Syndrom, das zum Beispiel durch die Frühjahrslorchel aus gelöst wird. Das enthaltene Gyrometrin zerstört ebenfalls die Leber. Zu nennen wäre noch das Orellanus-Syndrom, das durch Haarschleierlinge ausgelöst wird, dieses kann zu Nierenversagen führen.

Wie schnell geht das denn? Treten gleich Symptome auf?
Nein, das ist ja das Gefährliche. Beim Grünen Knollenblätterpilz, der sogar zum Tod führen kann, äußern sich die Beschwerden erst acht bis 48Stunden nach dem Verzehr. Vorher gibt es zwar manchmal kleine Magen-Darm-Probleme, doch die nehmen die meisten nicht ernst. Doch wenn die Symptome auftreten, ist es meist schon zu spät, dann ist die Leber bereits geschädigt. Der Vergiftete bekommt Bauchschmerzen und Gelbsucht und muss sofort ins Krankenhaus.

Passiert das oft?
2010 gab es in Sachsen-Anhalt 24 Vergiftungsfälle, davon sieben mit dem Grünen Knollenblätterpilz. Zum Glück konnten alle Betroffenen gerettet werden, da sie rechtzeitig in die Klinik kamen. Vergiftungen mit dem Grünen Knollenblätterpilz gibt es allerdings nicht jedes Jahr. Dank der flächendeckenden Pilzberatungen durch Ehrenamtliche bleibt die Zahl der Fälle zum Glück relativ gering.

Wann sollte ich zum Arzt gehen? Gleich, wenn ich mich unwohl fühle?
Wer Pilze gegessen hat und sich danach nicht gut fühlt, sollte sofort ins Krankenhaus gehen. Zur Pilzbestimmung sollten Pilze, Putzabfälle, Speisereste oder Erbrochenes mitgebracht werden. Durch die Sporenanalyse kann festgestellt werden, was für Pilze gegessen wurden. Diese kann aber nur durch Pilzberater durchgeführt werden, die ein Mikroskop haben.

Wie lange dauert denn solch eine Behandlung?
Das hängt vom Typ der Vergiftung ab. Ist nur der Magen-Darmtrakt betroffen, ist die Vergiftung nach ein bis zwei Tagen überstanden. Wurde sie durch einen Panterpilz ausgelöst, dauert es zwei bis drei Tage. Treten sogar Leber- und Nierenschäden auf, wie es beim Grünen Knollenblätterpilz oder bei Schleierlingen passieren kann, kann es Wochen dauern. Wenn eine Lebertransplantation nötig ist, können für die Krankenkassen Kosten bis zu 100 000 Euro entstehen. Deshalb hat die ehrenamtliche Pilzberatung auch eine wirtschaftliche Bedeutung.

Was kann ich generell tun, um die Gefahr einer Vergiftung zu mindern?
Essen Sie nur Pilze, die Sie wirklich als essbar kennen. Bei Röhrlingen ist die Gefahr, an einen giftigen zu geraten, geringer als bei Lamellen-Pilzen. Hier ist vor allem der Satanspilz stark giftig. Aber auch essbare Pilze können Beschwerden auslösen, wenn sie nicht mehr frisch sind oder in zu großen Mengen gegessen werden. Auch sollte man nach dem Genuss von Tintlingen oder dem Netzstieligen Hexenröhrling drei Tage lang keinen Alkohol trinken, da durch die Fermenblockade der Abbau von Alkohol gehemmt wird und viel Alhedyd entsteht.

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