Berlin (dpa/by) l Eigentlich geht es uns gut. Zumindest finanziell. Zu dieser Erkenntnis muss man jedenfalls kommen, wenn man einen Blick auf die Studie des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) zum Weltspartag am 30. Oktober wirft. Insgesamt verfügten die Bundesbürger demnach Ende 2013 über ein finanzielles Vermögen in Höhe von 5153 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr war dies ein Anstieg um 4 Prozent beziehungsweise um 200 Milliarden Euro.

Zusätzlich hatten die Bundesbürger ein Sachvermögen in Höhe von 7545 Milliarden Euro, wobei der überwiegende Teil davon auf Wohnimmobilien entfällt. Rein rechnerisch lag das Vermögen bei jedem der privaten Haushalte Ende 2013 damit bei 272000 Euro - bei durchschnittlicher Verschuldung pro Haushalt von rund 38600 Euro.

Die Zahlen sehen aber nur auf den ersten Blick imposant aus. Das Vermögen ist nicht gleichmäßig verteilt. So gibt es viele wohlhabende Haushalte in Deutschland, aber auch viele, in denen die Mittel eher knapp sind. Sparen macht also durchaus Sinn, findet Burkhard Wagner, Vorstand der Partners Vermögensmanagement AG. Und zwar auch, wenn die Rendite in Zeiten niedriger Zinsen oft mager ausfällt. "Unabhängig von den jeweils entstehenden Zinssätzen bieten finanzielle Rücklagen Flexibilität und Sicherheit", erklärt Burkhard Wagner.

Viele Bundesbürger bei Vermögensbildung vorsichtig

Allerdings ist laut BVR die Sparquote - also das Verhältnis von Sparsumme und verfügbarem Einkommen - seit einigen Jahren rückläufig. Im Zuge der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sank der Anteil des Sparbetrages am verfügbaren Einkommen von 10,5 Prozent 2008 auf 9,1 Prozent 2013. Aktuell liegt die Sparquote bei 9,2 Prozent. Im Alter könnte es für viele ohne ausreichende Rücklagen deshalb finanziell eng werden. Private Vorsorge sei daher wichtig.

Doch wenn es um die Vermögensbildung geht, agieren viele Bundesbürger vorsichtig. Laut BVR bleiben die Banken bei der Geldanlage eine zentrale Adresse. Sichteinlagen wie Tagesgeldkonten waren besonders beliebt. Insgesamt lag der Mittelzufluss 2013 mit 103,6 Milliarden Euro auf einem neuen Rekordhoch - und das trotz vergleichsweise niedriger Zinsen. Grund für den anhaltend hohen Zuspruch dürfte die immer noch ausgeprägte Risikoscheu der Anleger sein.

"Privatanleger suchen beides, hohe Zinsen und hohe Sicherheit, finden aber aktuell immer nur das eine: Entweder hohe Zinsen und entsprechendes Risiko oder niedrigste Zinsen bei nominaler Sicherheit", erklärt Andreas Böker von der Vermögensberatung Böker Paul AG. "Faktisch verlieren die Anleger durch den negativen Realzins seit einigen Jahren kontinuierlich an Vermögen."

Wer nur wenig monatlich sparen kann, sollte in Aktiensparpläne investieren, da sind sich die Experten einig. "Ansparpläne in Indexfonds bieten - je nach Risikoneigung - hervorragende Anlagemöglichkeiten, langfristig Vermögen zu bilden", sagt Wagner.