Magdeburg (dpa) l In rund drei Wochen ist die elektronische Gesundheitskarte Pflicht - aber noch immer haben Zehntausende Sachsen-Anhalter keine. Versicherte aller großen gesetzlichen Krankenkassen im Land sind betroffen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Von Januar an werde gesetzlich krankenversicherten Patienten der Besuch beim Arzt oder Psychotherapeuten nur noch mit der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) samt Lichtbild erstattet. Die alten Chipkarten sind dann ungültig. Für Sachsen-Anhalter, die es bisher versäumt haben, eine Karte zu beantragen, wird es eng.

Rund 7000 Versicherte der AOK Sachsen-Anhalt besitzen die eGK noch nicht. Bei Sachsen-Anhalts größter Krankenkasse entspricht dies etwa einem Prozent der Kunden, wie die AOK mitteilte. "Versicherte, die ab 1.1.2015 bei einem Arztbesuch nicht die eGK vorlegen können, müssen mit einer Privatrechnung rechnen, an der sich die Krankenkassen nicht beteiligen", sagte AOK-Sprecher Andreas Arnsfeld.

Die zweitgrößte Krankenkasse Sachsen-Anhalts, die IKK gesund plus, hat ihre säumigen Versicherten vier Mal angeschrieben und sie auf die neue Karte hingewiesen. Noch hätten knapp drei Prozent der landesweit 300 000 Versicherten noch kein Lichtbild eingereicht und daher keine aktuelle Karte ausgestellt bekommen, berichtete Sprecher Gunnar Mollenhauer. Ein Lichtbild könne in den Geschäftsstellen abgegeben werden. Bis zur neuen Karte dauere es dann eine Woche.

Wie bei der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) sind auch bei der Barmer GEK etwa zwei Prozent der Versicherten noch ohne elektronische Gesundheitskarte (Barmer: 6000 Versicherte, KKH: 2000 Versicherte). Die neue Gesundheitskarte solle Missbrauch und Mehrfachbenutzung ausschließen, sagte KKH-Sprecher Simon Kopelke. Daher sei auch das Lichtbild auf der Vorderseite angebracht. "In Zukunft ist es denkbar, dass auf der Gesundheitskarte auch Röntgenbilder gespeichert werden oder elektronische Rezepte", sagte Kopelke. Im kommenden Jahr werden diese Funktionen aber nicht mehr freigeschaltet. "Der Zeitpunkt, bis endlich alle Funktionen genutzt werden können, liegt noch in den Sternen", sagte Volker Schmeichel, stellvertretender Leiter des Verbands der Ersatzkassen Sachsen-Anhalts (vdek). Die elektronische Gesundheitskarte sei schon im Jahr 2002 angedacht gewesen, aber sei seither von Interessensparteien verhindert und verzögert worden. "Bis wir zu der Karte überhaupt gekommen sind, gab es ein Hauen und Stechen", sagte Schmeichel. "Das war und ist eine Riesen-Baustelle." Ursprünglich sollte die eGK im Jahr 2006 eingeführt werden.