Magdeburg l Ungeachtet aller technischen Moden steht seit Jahrhunderten ein Haustier ganz oben auf dem Wunschzettel vieler Kinder. Doch ein Tier zu verschenken sollte gut vorbereitet sein, rät der Magdeburger Tierarzt Dr. Klaus Kutschmann, Vizepräsident der Tierärztekammer Sachsen-Anhalt. "Schließlich sind Haustiere keine Sache, sondern lebendige Wesen, die eigene Ansprüche haben und nicht nach der ersten Weihnachtseuphorie in die Ecke gestellt bzw. ausgesetzt werden können."

Wann der richtige Zeitpunkt für den Kauf eines Haustieres ist, hängt in erster Linie von der Reife und weniger vom Alter eines Kindes ab. Sofern sie nicht bereits in einer Familie mit Tieren aufwachsen, sind Kleintiere wie Meerschweinchen meist die ersten Spielpartner auf vier Pfoten. Vor dem Kauf sollte man sich gründlich mit der artgerechten Haltung beschäftigen. Wer in der Familie übernimmt welche Pflegeaufgaben? Wie wird das Tier im Urlaub versorgt? Sollte es ein Jungtier vom Züchter sein, oder kommt auch ein erwachsenes Tier aus dem Tierheim in Frage? Ebenso zu berücksichtigen sind die Wohnbedingungen: Ein Eigenheim mit Garten bietet mehr Möglichkeiten als eine Mietwohnung mitten in der Stadt. All das will gut überlegt sein.

Die Weihnachtstage und der Jahreswechsel in der Gemeinschaft mit Tieren sind etwas Besonderes. Was wir Menschen von Kindesbeinen an mögen, kann für tierische Vierbeiner mitunter aber gefährlich sein.

"Bereits einige Stücke Schokolade können bei Hunden zu Vergiftungen führen." - Dr. Kutschmann, Vizepräsident der Tierärztekammer Sachsen-Anhalt

Christstollen, Zimtsterne und Schokoladen-Weihnachtsmänner sind nur ein Genuss für Menschenkinder und Erwachsene. "Bereits einige Stückchen Schokolade - insbesondere Bitterschokolade - können bei Hunden zu Vergiftungen führen", sagt Dr. Kutschmann. Gleiches gilt beispielsweise für leckere Rosinen. Und wer meint, Bello zu den Festtagen mit einer XXL-Portion Knochen verwöhnen zu können, der begeht ebenfalls einen Fehler.

"Wenn Hunde viele Knochen auf einmal fressen, kann das zu Verstopfungen führen", so Dr. Kutschmann. Katzen sind beim Fressen meist wählerischer. Doch ungeachtet dessen können auch sie sich an den Festtagen z.B. mit Schokolade oder Rosinen vergiften. Ihr Spieldrang kann zum Verhängnis werden, z. B. wenn sie Lametta und Engelshaar am Weihnachtsbaum verschlucken, sagt die Magdeburger Tierärztin Dr. Judith Kaufhold.

Ein weiteres Risiko für Hunde und Katzen sind die beliebten roten Weihnachtssterne. Daran zu naschen kann für Haustiere lebensbedrohlich sein. Am besten man verzichtet darauf oder stellt die Pflanzen so sicher auf, dass die Vierbeiner nicht herankommen. Toleranter sind unsere tierischen Freunde meist beim weihnachtlichen Duft von Räucherkerzen. Da der Rauch nach oben steigt, wird er viel eher in menschliche Nasen dringen als in die bodennäheren Tiere.

Raketen und Böller zu Silvester können Tiere erschrecken und beunruhigen. Wichtig ist es, ihnen das Gefühl von Normalität zu vermitteln, indem man die Silvesternacht für die Hausgenossen so gewöhnlich wie möglich gestaltet.

"Wer als Städter ein Jungtier aufgenommen hat, sollte es Silvester nicht allein lassen." - Dr. Kaufhold, Tierärztin in Magdeburg

Medikamente zur Beruhigung sollten wegen möglicher Nebenwirkungen nur in Absprache mit dem Tierarzt gegeben werden. "Wer als Städter ein Jungtier aufgenommen hat, sollte es nicht in der lautesten Nacht des Jahres allein lassen", rät Dr. Kaufhold. Hauptsächlich an die häusliche Umgebung gewohnte Katzen sollten zu Silvester nicht nach draußen gelassen werden und mit einem Hund sollte man möglichst vor 18 Uhr das letzte Mal Gassi gehen. Da zischende Raketen, Böller und Blitzkracher die Tiere verunsichern und in die Flucht treiben können, raten die Tierärzte, Hunde nur an der Leine auszuführen. Das gilt auch für den Morgenspaziergang zu Neujahr, denn oftmals liegen zerbrochene Flaschen herum, an denen sich Hunde verletzen können.

Was tun, wenn Haustiere sich an den Festtagen den Magen verdorben haben oder verletzen? Ein einmaliges Erbrechen ist unter Hunden und Katzen noch kein Grund zur Sorge. "Wenn aber Erbrechen und Durchfall mehrfach auftreten, mehrere Tage kein Kot abgesetzt wird und deutliche Veränderungen im Allgemeinbefinden auftreten, dann sollte man unbedingt den Tierarzt aufsuchen", rät Dr. Kutschmann. Das Gleiche gilt natürlich auch bei Verletzungen durch Silvesterfeuerwerk oder Scherben. Welche Tierkliniken und Kleintierpraxen rund um die Feiertage Bereitschaftsdienst haben, können Haustierbesitzer auf den Volksstimme-Regionalseiten und unter www.tiernotdienste.de erfahren.