Pigmente aus Autolacken und krebserregende Abbauprodukte: Wer sich tätowieren lassen will, sollte gut aufpassen, was für Farben dabei verwendet werden. Die Politik fordert nun strengere Regeln.

Karlsruhe (dpa). Giftige Farbstoffe, verbotene Konservierungsmittel und krebserregende Substanzen: Zum Schutz vor gefährlichen Stoffen in Tätowierfarben hat Baden-Württembergs Verbraucherschutzminister Rudolf Köberle strengere Regeln gefordert. "Die Sicherheitsbewertung von Tätowierfarben muss zur Pflicht gemacht werden, bevor diese mit der menschlichen Haut in Berührung kommen", sagte Köberle gestern in Karlsruhe. Die seit 1. Mai 2009 geltende Tätowiermittelverordnung müsse dringend verbessert werden. Der Hersteller oder Importeur müsse dafür verantwortlich sein, dass die Farben auf ihre Sicherheit überprüft werden. Köberle forderte außerdem vom Bund eine Positivliste mit zugelassenen Bestandteilen.

Von den derzeit eingesetzten Tätowierfarben gehen nach Angaben des Ministers zum Teil erhebliche Risiken aus. Ein Drittel der untersuchten Farben enthielt verbotene Substanzen, die Hälfte davon waren gesundheitsschädliche Stoffe wie aromatische Amine, Nitrosamine und Phenol. Technische Farbpigmente, die beispielsweise in Autolacken verwendet werden, waren in zwei Drittel der untersuchten Tätowierfarben enthalten.

Wissenschaftler hatten im vergangenen Jahr 38 Tattoo-Farben unterschiedlicher Studios untersucht. Dabei konzentrierten sie sich auf die Farben Gelb, Rot und Orange, weil hier die Gefahr für gesundheitsschädliche Stoffe am höchsten sei. 13 Proben und damit 34 Prozent wurden beanstandet. Nur bei fünf Prozent der Farben wurden keine gesundheitlich bedenklichen Bestandteile nachgewiesen.

Tätowierwillige sollten sich auf jeden Fall über die Inhaltsstoffe der Farben erkundigen, rät Evamaria Kratz, Laborleiterin für kosmetische Mittel am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Karlsruhe. "Am besten wäre es, wenn sich die Leute die Leitlinien der Untersuchungsämter für Betreiber von Tattoo-Studios durchlesen." Sie seien im Internet abzurufen. Beschwerden nach einer Tätowierung sollten auf jeden Fall beim CVUA gemeldet werden.

Über Langzeitwirkungen von Tätowiermitteln lägen bislang noch keine Erkenntnisse vor, sagte Köberle. Allerdings seien Farbstoffe in den Lymphknoten tätowierter Menschen nachgewiesen worden. Hier bestehe die Gefahr, dass sich daraus Tumore entwickeln. Nach Schätzungen sind in den westlichen Industrieländern 10 bis 20 Prozent der Menschen tätowiert, Tendenz steigend.

Da viele Tätowierer ihre Farben im Internet bestellen – sie kommen vor allem aus Asien -, seien dringend einheitliche internationale Regelungen nötig, betonte Verbraucherschutzminister Köberle. Die Wissenschaftlerin Kratz bemängelt: "Die Kosmetik-Verordnung ist detaillierter geregelt, die Tätowiermittel-Verordnung noch nicht. Da darf man das noch alles einsetzen."