Den März hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Darmkrebs-Monat erklärt. Darmkrebs zählt zu den häufigsten Tumorerkrankungen jenseits des 50. Lebensjahres. Die Magen-Darm-Fachärzte Dr. Kerstin Schütte und Dr. Andrei Lehmann von der Uniklinik für Gastroenterologie in Magdeburg gaben gestern am Telefon Auskunft zu Vorsorgeuntersuchungen. Uwe Seidenfaden hat Fragen und Antworten notiert.

Frage : Wann sollte man sich vorsorglich auf Darmkrebs untersuchen lassen ?

Antwort : Empfohlen werden Vorsorgeuntersuchungen für Männer und Frauen ab dem 50. Lebensjahr. Ab diesem Alter steigt das Darmkrebsrisiko an. Eine Ausnahme sind Menschen, deren nahe Verwandete wie Eltern und Großeltern bereits an Darmkrebs erkrankten, die unter chronisch-entzündlichenDarmerkrankungen oder an seltenen Erkrankungen mit vermehrter Darmpolypenbildung leiden. Sie müssen frühzeitiger und in kürzeren Abständen untersucht werden.

Frage : Welche Untersuchungen gehören zur Darmkrebs-Früherkennung ?

Antwort : Zur Früherkennung gehören die Tastuntersuchung des Enddarms, der Test auf nicht sichtbare Blutbeimengungen im Stuhl und die Darmspiegelung.

Frage : Sind die Verfahren gleichwertig ?

Antwort : Die Darmspiegelung ( Koloskopie ) ist am zuverlässigsten, weil mit ihr frühzeitig Wucherungen im gesamten Dickdarm erkannt werden können. Auch die Abtragung von Darmpolypen, die Vorstufen von Krebsgeschwüren sein können, ist bei einer Darmspiegelung möglich.

Frage : Nimmt der Hausarzt diese Untersuchungen vor ?

Antwort : Stuhltest und Tastuntersuchung kann der Hausarzt vornehmen. Die Darmspiegelung wird in gastroenterologischen Spezialpraxen ( Ärzte für Magen-Darm-Krankheiten ) und in Krankenhäusern vorgenommen.

Frage : Wie lange muss man nach Anmeldung auf einen Termin für die Darmspiegelung warten ?

Antwort : Im Wesentlichen erfolgt die Präventionskoloskopie im niedergelassenen Bereich, aber in einem nicht unerheblichen Umfang auch an unserer Klinik, da zum Teil lange Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen. Wenn Symptome wie Blut im Stuhl und eine ungewöhnliche Gewichtsabnahme auf einen Darmkrebs hindeuten, dann wird die Darmspiegelung umgehend durchgeführt.

Frage : Wie groß ist die Patienten-Nachfrage nach der Darmspiegelung ?

Antwort : Leider ist das Interesse daran sehr gering. Wir schätzen, dass nur acht bis zehn Prozent der Anspruchsberechtigten diese Chance nutzen.

Frage : Ist die Darmspiegelung schmerzhaft ?

Antwort : Die meisten Menschen empfinden die Untersuchung nicht als schmerzhaft, aber etwas unangenehm. Infolge der Luft, die in den Darm gegeben werden muss, können vorübergehend ein Druckgefühl im Bauch und Blähungen auftreten. Empfindliche Menschen können sich ein Beruhigungsmittel geben lassen.

Frage : Bestehen Risiken für Menschen mit Hämorrhoiden und Analfissuren ?

Antwort : Das Vorliegen von Hämorrhoiden spricht nicht gegen eine Darmspiegelung. Analfissuren können zu Schmerzen bei der Untersuchung führen. Das lässt sich jedoch im Vorfeld der Untersuchung abklären. Wägt man die Unannehmlichkeiten durch eine Darmspiegelung gegen den möglichen Nutzen ab, so spricht die Bilanz eindeutig für die Vorsorgeuntersuchung.

Frage : Sollte der gesamte Darm untersucht werden oder nur der Enddarm ?

Antwort : Empfohlen wird die Spiegelung des gesamten Dickdarms.