Der schnelle Wertverlust des Euros beunruhigt viele Menschen. Was wird aus den Ersparnissen ? Sind die Sorgen vor einer Inflation berechtigt ? Experten der Verbraucherzentrale und der Stiftung Finanztest haben Informationen zusammengestellt, welche Auswirkungen die Krise für die Bürger hat.

Berlin ( rgm ). Bislang galt der Euro als zuverlässiges und sicheres Zahlungsmittel. Der schnelle Wertverlust während der vergangenen Wochen weckt Zweifel, dass es dabei bleiben wird.

Welche Konsequenzen hat die Abwertung des Euro ?

Wenn weniger Unternehmen und Staaten den Euro haben wollen, führt das zu dessen Abwertung. Dann wird es für Verbraucher teurer, außerhalb des Euro-Raums Waren und Dienstleistungen einzukaufen oder dort Urlaub zu machen. Wer Geld in der ausländischen Währung angelegt hat, profitiert von einem Wertanstieg.

Bekommen wir bei weiterer Abwertung eine Inflation ?

Das kann derzeit niemand sagen. In den vergangenen elf Jahren gab es immer wieder viele Auf- und Abwertungen des Euro im Verhältnis zum US-Dollar. Dabei schwankte der Währungskurs zwischen 0, 83 und 1, 59 Euro. In dieser Zeit hatten wir zu keiner Zeit hohe Inflationsraten.

Muss man sich Sorgen um das Ersparte machen ?

Wer Geld auf einem Sparbuch, dem Giro- oder Tagesgeldkonto angelegt hat, muss sich nicht sorgen. Die Beiträge sind durch die Einlagensicherung geschützt. Auch ein Bausparvertrag oder eine Lebensversicherung sollte nicht gekündigt werden, denn das bedeutet immer auch Wertverluste. Der Bonuszins kann zwar sinken, aber der Garantizins ist nicht gefährdet.

Soll man jetzt eine Immobilie kaufen ?

Wer früher oder später ohnehin in ein Eigenheim ziehen will, kann sich die derzeit niedrigen Zinsen zunutze machen und kaufen. Wichtig dabei ist, sich mit den Kreditraten nicht zu überfordern. Außerdem sollte man sich die Wohnung unbedingt vorher anschauen. Immer wieder ziehen windige Vermittler Anleger über den Tisch, weil sie ihnen Objekte unterjubeln, die ihr Geld nicht wert sind. Aber selbst wenn man eine gute Immobilie in bester Lage findet, bleiben Risiken. In der Regel macht die Immobilie dann nämlich den mit Abstand größten Teil der Geldanlage aus. Läuft was schief, gibt es auch keinen Inflationsschutz. Im Zweifel ist eine breite Streuung ohne Immobilie deshalb die bessere Wahl.

Macht es Sinn, die Ersparnisse in andere Währungen zu tauschen, zum Beispiel in USDollar ?

Geldanlagen unterliegen der Spekulation. Steigt zum Beispiel der Dollar, geht es gut. Umgekehrt macht man Verlust. Angesichts des hohen Haushaltsdefizits der USA ist es nicht empfehlenswert, jetzt alle Euro-Ersparnisse in USDollar umzutauschen.

Ist es ratsam, jetzt verstärkt Gold zu kaufen ?

Als alleinige Anlage ist Gold nicht geeignet. Das wäre in etwa so, als ob man nur auf eine Aktie setzt. Zudem ist der Preis bereits stark gestiegen. Das heißt zwar nicht, dass er nicht noch weiter steigen könnte, aber es könnte genauso gut auch in die andere Richtung gehen. Einen Totalverlust muss man mit Gold allerdings nicht fürchten, wenn man es in Form von Barren oder Münzen kauft. Gegen eine Beimischung von Gold zu anderen Finanzanlagen ist nichts einzuwenden.

Wie sicher sind Euro-Rentenfonds ?

Euro-Rentenfonds mit einem vergleichsweise hohen Anteil an griechischen Staatsanleihen haben in den vergangenen Monaten verloren. Die Kursverluste haben sich in der Wertentwicklung der Rentenfonds jedoch kaum bemerkbar gemacht. Stimmt die Mischung, sind Euro-Rentenfonds als Basisanlage für gut strukturierte Fondsdepots weiterhin geeignet.

Wie kann ich mich gegen Staatspleiten schützen ?

Wenn Sie davon ausgehen, dass ein bestimmter Staat Pleite geht, sollten Sie keine Geldanlagen dieses Staates besitzen.

Meiden Sie sicherheitshalber auch Aktien, Immobilien, Unternehmensanleihen und andere Wertpapiere und Beteiligungen in diesem Land. Im schlimmsten Fall erleiden Sie sonst aufgrund einer Enteignung einen Totalverlust.

Ist eine Staatspleite der Bundesrepublik Deutschland möglich ?

Aktuell gibt es dafür keine Anhaltspunkte. International gesehen hat Deutschland einen vergleichsweise niedrigen Schuldenstand und zählt – nicht zuletzt aufgrund seiner hohen Wirtschaftsleistung – zu den sichersten Schuldnern. Die weitere Entwicklung muss jedoch abgewartet werden.

Im Fall einer Inflation sinken auch die Schulden. Sollte man deshalb jetzt Kredite aufnehmen ?

Schuldner profitieren nur dann von einer Inflation, wenn ihre Einkommen, aus denen sie die Schulden zurückzahlen, mit der Inflation ansteigen. Das ist nicht automatisch der Fall, insbesondere dann nicht, wenn die Krise zur Erhöhung der Arbeitslosenzahlen führt.

Schulden zu machen, in der Hoffnung, die Inflation wird den Berg schon abtragen, ist daher Unsinn, zumal wir ja noch nicht einmal wissen, ob und wann eine Inflation kommt.

Muss ich jetzt etwas unternehmen ?

Lassen Sie sich nicht verrückt machen und hören Sie nicht auf sogenannte Geheimtipps. Niemand weiß heute, ob Griechenland wirklich pleite geht, ob der Euro weiter an Wert verliert oder ob eine Inflation droht.

Auf Nummer sicher geht, wer sein Vermögen auf verschiedene Anlageklassen aufteilt, um Risiken zu minimieren. Setzen Sie nicht alles auf eine Karte, sondern streuen Sie ihre Geldanlagen.

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