Über die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen der Leber und Bauchspeicheldrüse gaben gestern der Chirurg Professor Hans-Ulrich Schulz und der Gastroenterologe Dr. Michael Selgard vom Uniklinikum Auskunft. Uwe Seidenfaden notierte einige Fragen und Antworten.

Frage : Der Arzt hat bei mir eine Fettleber diagnostiziert. Die Leberwerte sind jedoch noch in Ordnung. Muss ich mir dennoch Sorgen machen ? Und ist eine Leberverfettung rückbildungsfähig ? Ich bin 72 Jahre alt.

Antwort : In Ihrem Alter haben sehr viele Menschen eine sogenannte Fettleber. Wenn die Leberwerte in Ordnung sind, müssen Sie sich prinzipiell noch keine Sorgen machen. Die Ursache veränderter Leberwerte sollte weiter abklären.

Die Leberverfettung ist meist rückbildungsfähig. Medikamente sowie fettarme und ballaststoffreiche Vollwertkost können dabei helfen. Notwendig ist außerdem ein Verzicht auf Alkohol, u. a. weil Alkohol die Fetteinlagerung in den Leberzellen begünstigt. Unbehandelt kann eine Leberverfettung in eine Leberentzündung und diese zu einer Zirrhose führen. Bei dieser chronischen Erkrankung wird das Lebergewebe allmählich durch funktionsloses Bindegewebe ersetzt. Die Leberzirrhose ist ein Risikofaktor für Krebs.

Frage : Mein GGT-Leberwert ist erhöht. Die anderen Leberwerte sind in Ordnung. Mein Arzt meint, dass ich mir keine Sorgen machen muss. Ich trinke nur ganz selten Alkohol, weil ich auch schwer herzkrank bin.

Antwort : Das ist richtig. Möglicherweise handelt es sich um Nebenwirkungen von Medikamenten. Es sollte aber ein Ultraschall der Leber durchgeführt werden, um eine Veränderung dieses Organs auszuschließen.

Frage : Ich bin 74 Jahre und muss wegen einer Herzschwäche und Rückenschmerzen viele Medikamente nehmen. Ich leide oftmals unter Blähungen und Übelkeit, insbesondere nach dem Essen. Kann das von der Leber kommen ? Bei einer Ultraschalluntersuchung wurde eine geschwollene Leber festgestellt.

Antwort : Wenn Sie blutverdünnende und schmerzstillende Medikamnete gegen Herzkreislauferkrankungen

und rheumatische Beschwerden einnehmen, sollten Sie zudem auch einen Magenschutz erhalten.

Ständige Übelkeit nach dem Essen können auf eine Magenschleimhautentzündung hinweisen. Das kann mit einer Magenspiegelung abgeklärt werden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.

Frage : Bei mir wurde eine Hepatitis festgestellt, ohne dass es zu einer Gelbverfärbung der Haut gekommen war. Ich hatte das im Kindesalter schon einmal. Kann eine ausgeheilte Hepatitis wiederkehren ?

Antwort : Es gibt verschiedene Arten von Hepatitis-Viren und damit auch verschiedene Hepatitis-Infektionen. Eine akute Hepatitis B oder C hat unbehandelt das Risiko, in eine chronische Leberentzündung überzugehen. Eine konsequente Behandlung mit antiviralen Medikamenten ist deshalb wichtig. Wenn die Hepatitis-Infektion ausgeheilt ist, d. h. keine Viruslast mehr nachweisbar ist, besitzen Sie Antikörper gegen diese Viren. Wenn Sie eine Infektion mit Hepatitis A hatten, können Sie aber immer noch an anderen Hepatitis-Viren erkranken. Am besten ist es deshalb, sich vorbeugend gegen Hepatitis-A und B-Infektionen impfen zu lassen.

Frage : Wie riskant sind Kalkablagerungen in der Bauchspeicheldrüse ?

Antwort : Verkalkungen in der Bauchspeicheldrüse können auf eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung

hinweisen. Die betroffenen Patienten haben meist auch Schmerzen und Stuhlgangunregelmäßigkeiten. Da in solchen Fällen ein erhöhtes Tumorrisiko besteht, sollte man die Bauchspeicheldrüse etwa halbjährlich mittels Ultraschall kontrollieren lassen.

Frage : Ich habe häufig Schmerzen im Oberbauch, die gelegentlich auch auf nüchternen Magen auftreten. Kommt das von einer kranken Leber oder einer kranken Bauchspeicheldrüse ?

Antwort : Aus den Symptomen lässt sich nicht eindeutig auf eine kranke Bauchspeicheldrüse schließen. Es könnte sich unter anderem auch um eine entzündete Gallenblase oder um eine Magenschleimhautentzündung bzw. ein Magengeschwür handeln. Gallenblasenentzündungen sind häufig die Folge von Gallensteinen, die sich zum Beispiel im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung nachweisen lassen. Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüre werden häufig durch das Bakterium Helicobacter pylori hervorgerufen. Er lässt sich relativ einfach mit einem Atemtest nachweisen.

Frage : Bei einer Ultraschalluntersuchung wurde bei mir eine rund sechs Zentimeter große Zyste in der Leber festgestellt. Besteht dadurch ein erhöhtes Leberkrebsrisiko ?

Antwort : Zysten in der Leber kommen häufig vor und haben in der Regel keinen Krankheitswert. Nur wenn sie so groß werden, dass sie Nachbarorgane beeinträchtigen und Beschwerden verursachen, sollten sie operiert werden. Wenn die Zysten sehr schnell wachsen oder wenn die Wände ungewöhnlich dick sind, sollten weitere Untersuchungen durchgeführt werden.

Frage : Nach einer Gallenblasen-OP leidet mein Mann unter Blähungen. Was kann er tun ?

Antwort : Man sollte abklären lassen, ob es sich um eine chronische Pankreatitis handelt. In diesen Fällen sollte man fettlösende Enzyme zu den Mahlzeiten einnehmen. Generell sollte man nach einer Gallenblasen-Entfernung auf sehr fettreiche und blähende Lebensmittel verzichten.

Frage : Ich habe eine gutartige Geschwulst in der Bauchspeicheldrüse, die Rückenschmerzen verursacht. Sollte operiert werden ?

Antwort : Tumoren und Entzündungen in der Bauchspeicheldrüse können Rückenschmerzen verursachen. Man muss das diagnostisch abklären und wird dann eine differenzierte Behandlung einleiten. Wenn die Schmerzen sehr heftig sind, sollte auch ein gutartiger Tumor operativ entfernt werden.