Wandern liegt nach wie vor schwer im Trend, die meisten zieht es dazu in die Berge. Wer hoch hinaus will, sollte das jedoch nicht zu ungestüm angehen. Dem Gipfelstürmer drohen sonst körperliche Probleme, falscher Ehrgeiz ist hier fehl am Platz. Denn der menschliche Organismus ist in der Regel nicht an die besonderen Gegebenheiten hoher Lagen gewöhnt. Je nach Konstitution kann daher zum Beispiel das Gehen schon in 1500 Metern Höhe anstrengend werden.

München ( ddp ). Der Grund dafür liegt im geringeren Luftdruck, erklärt Stefan Winter, Ressortleiter Breitenbergsport beim Deutschen Alpenverein in München. Dieser führe zu einem niedrigeren Sauerstoffgehalt im Blut, auf den der Körper mehr oder weniger stark mit Beeinträchtigungen reagiert. Damit es gar nicht so weit kommt, empfi ehlt er, sich genügend Zeit für die Akklimatisation zu nehmen und dem Körper die Gelegenheit zu geben, sich an die veränderten Umstände anzupassen.

Generell sollte man dafür ausreichend essen und trinken, jedoch möglichst keinen Alkohol konsumieren, sich genügend Schlaf und Erholung gönnen und zwischendurch weniger intensiv Sport betreiben als zu Hause im Flachland. Winter rät, sich anfangs in Etappen von jeweils 500 Höhenmetern pro Tag langsam nach oben vorzuarbeiten : " In den Alpen sollte man sich beispielsweise erst rund drei Tage in mittleren Höhen um 1500 bis 2000 Meter aufhalten, bevor man über die Dreitausend-Meter-Grenze oder noch höher geht. " Denn während sich der Körper an mittlere Höhen noch recht problemlos gewöhnt, kann es danach gefährlich werden.

" Bereits in einer Höhe von circa 2500 Metern können Symptome der Höhenkrankheit auftreten ", warnt der Experte. Dazu gehören zum Beispiel Kopfschmerzen, ein erhöhter Puls, schnelleres Atmen oder Appetitlosigkeit bis hin zur Übelkeit. Die Beschwerden können umso intensiver ausfallen, je schneller man aufsteigt und je höher man gelangt. Besonders der schnelle Aufstieg macht dem Körper zu schaffen, da er sich nicht so schnell an die verminderte Sauerstoffzufuhr anpassen kann.

Die Höhenkrankheit kann jeden treffen, auch trainierte Menschen und solche, die sich schon in solchen Höhen aufgehalten haben. Die Symptome dürften auf keinen Fall ignoriert werden, denn sie seien ein Warnzeichen des Körpers, mahnt der Experte. Bei leichterer Ausprägung während einer Wanderung genügt es in der Regel, sich eine längere Pause zu gönnen, ausreichend zu trinken und nicht weiter aufzusteigen. Mit der nächsten Höhenwanderung sollte man anschließend jedoch unbedingt so lange warten, bis die Symptome vollständig abgeklungen sind.

Alarmierend wird es, wenn es zu einer starken körperlichen Beeinträchtigung kommt und Bewusstseinsstörungen auftreten. " Ist man nicht mehr voll denk- und handlungsfähig, sollte schnellstmöglich der Weg in tiefere Lagen angetreten werden ", sagt Winter. Ratsam sei die Rückkehr auf ein Level unter 1500 Metern. Normalerweise bessern sich die Beschwerden im Laufe von ein bis zwei Tagen und verschwinden dann ganz.

Doch nicht immer sind es Bergwanderer oder Bergsteiger, die sich so hoch oben aufhalten. Es gibt weitere Gelegenheiten, bei denen man sogar sehr schnell in große Höhen gelangt. Das können zum Beispiel Bergbahnen sein, die Urlauber aus dem Tal direkt auf über 3000 Meter bringen. Ist der Aufenthalt nur kurz, sind in der Regel keine stark ausgeprägten Symptome der Höhenkrankheit zu befürchten. Wichtig ist trotzdem die Möglichkeit einer schnellen Umkehr, falls doch ernste Warnzeichen auftreten.

Winter rät, so eine Fahrt ausgeruht und nicht gleich am ersten Tag eines Bergurlaubs anzutreten. Als Vorbeugung für die Fahrt hinauf sei es von Vorteil, wenn man vorher genügend getrunken und gegessen hat. Tritt trotzdem ein leichtes Unwohlsein auf, können Traubenzucker, gesüßte Getränke, eine Pause im Sitzen und langsames, bewusstes Atmen darüber hinweghelfen.