Dresden / Barmstedt Ihre Blüten wirken wie beschwipste Spinnen, findet die britische Gartenbuchautorin Anna Pavord. Und tatsächlich: Wenn sich mitten im Winter die Knospen der Zaubernuss öffnen, strecken sich dem Betrachter die zarten Blütenstreifen wie Beinchen entgegen. Hamamelis ist ein beliebter Gartenstrauch, der Farbe und Duft in den Winter bringt.

Insgesamt gibt es auf der Erde sechs Hamamelis-Arten, von denen drei in Nordamerika und drei in Ostasien beheimatet sind. " Kannte man früher vor allem ,Hamamelis japonica‘ und ,Hamamelis mollis‘, sind in den vergangenen Jahren aus diesen beiden Arten zahlreiche neue Sorten hervorgegangen ", sagt Harald Buner vom Fachbereich Gartenbau und Landespfege Dresden-Pillnitz der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Gut sortierte Händler haben aktuell bis zu 15 verschiedene Sorten im Angebot. Besonders beliebt sind nach Auskunft der Baumschule Hachmann im holsteinischen Barmstedt die zitronengelb blühende Sorte " Angelie " sowie " Harry " mit orange-gelben Blüten und " Diane " in kräftigem Rot.

Hamamelis blühen im blattlosen Zustand. Erst wenn die Blüten verblüht sind, wachsen die Blätter. Die Gehölze kommen am besten zur Geltung, wenn sie einzeln stehen. " Diese kostbaren Winterblüher müssen einen Blickfang in jedem Garten darstellen. In der Nähe von Hauseingängen, Wohnzimmerfenstern, Terrassen oder auf Rasenfächen sollte man sie daher pfanzen ", rät Harald Buner.

Die größte Wirkung erzielt die Hamamelis, wenn sich die Blüten kontrastreich von der Umgebung abheben. So bilden dunkle Hecken wie Taxus oder dunkle Gruppenbepf anzungen einen idealen Hintergrund für die gelb blühenden Arten und Sorten. Die dunkelrot blühenden Sorten kämen dagegen vor einer hellen Fassade oder einem verschneiten Hangabschnitt besser zur Geltung. Auf jeden Fall sollten Gartenbesitzer dem Gehölz genügend Platz einräumen. " Pro Standjahr muss man von einem Zuwachs von 30 Zentimetern ausgehen ", sagt Buner. Die größten Exemplare werden bis zu fünf Meter hoch und mindestens ebenso breit.

Weil Hamamelis dem Haselnussstrauch ähnelt, wird sie teilweise auch Hexenhasel genannt. Botanisch haben sie aber nichts gemein. Hamamelis gehört zur Familie der Zaubernussgewächse, während die Haselnuss ein Birkengewächs ist. Auch der Preis macht den Unterschied: Ein 60 bis 100 Zentimeter großer Haselnuss-Strauch ist schon für ein paar Euro zu haben, für eine ähnlich große Zaubernuss hingegen muss man 25 bis 30 Euro bezahlen. Grund: Die edlen Sträucher wachsen sehr langsam und die Gartensorten werden aufwendig veredelt.

Wenn im Winter die Blüte ausbleibt, hat die Zaubernuss im Sommer entweder zu trocken gestanden und kaum Knospen gebildet, oder es ist einfach zu kalt. " Bei Dauerfrost kann sich die Blütezeit durchaus um drei bis vier Wochen verschieben ", sagt Renate Wickhorst von der Baumschule Hachmann.

Entscheidend für den Blühtermin ist auch die Sorte: Frühe Hamamelis wie " Pallida " ( zitronengelb ) oder " Jelena " ( kupfer-orange ) können bereits im Dezember mit der Blüte beginnen. Bei späten Sorten wie " Arnold Promise " ( schwefelgelb ) und " Primavera " ( primelgelb ) erstreckt sich die Blütezeit dagegen bis weit in den März – und kann sich dann mit der Blüte von Forsythien überschneiden.

Ein Schnitt ist bei Zaubernüssen in der Regel nicht nötig, denn sie haben von Natur aus eine schöne, regelmäßige Krone. " Anders als eine Vielzahl der uns bekannten Sträucher bildet Hamamelis selten Neutriebe aus der Basis oder der Mitte des Gehölzes. Von einem starken Rückschnitt ist daher dringend abzuraten ", sagt Harald Buner. Auch umgepflanzt werden sollten die empfindlichen Sträucher möglichst nicht. Schon nach drei bis vier Jahren am selben Standort wachsen sie anderswo schlecht wieder an. (ddp)